Wildeshausen - Der Discounter Lidl darf seine Filiale um 121 Quadratmeter erweitern, um eine Backvorrichtung und eine Tiefkühlzelle einzubauen. Der Verwaltungsausschuss der Stadt beschloss am Donnerstagabend in nicht-öffentlicher Sitzung, das Einvernehmen zur beantragten Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans Nr. 4 zu erteilen.

Im Handwerk und bei Innenstadt-Investoren stößt die Entscheidung auf Kritik. Vor allem die Aussage des früheren Vorsitzenden des Handels- und Gewerbevereins (HGV), Bernhard Block, im Fachausschuss, durch einen Backshop am Westring würde in der Innenstadt kein Brötchen weniger verkauft, hat einige verärgert. „Man könnte annehmen, (auch) Sie als HGV-Vorstandsmitglied im Rat hätten resigniert, wenn es um die Verfolgung und Verteidigung der Interessen der Wildeshauser Innenstadt geht“, schreibt Investor Otto Sandkuhl. „Aber auch, wenn es sich hier nur um „kleine Brötchen“ handelt, geht doch ein falsches Signal von der zustimmenden Rats-Entscheidung aus. Die Handelsunternehmen am Westring haben es über viele Jahre immer wieder verstanden, ihre Interessen auszubauen und die Konkurrenz mit den Innenstadt-Betreibern zu verschärfen, mal in kleineren und mal in größeren Schritten. Daher sollten nach meiner Überzeugung jedweden weiteren Wünschen der Westring-Geschäfte, auch wenn sie noch so bedeutungslos erscheinen, soweit das rechtlich zulässig ist, mit einer klaren Absage bedient werden“, betont er.

Kritik übte auch der stellvertretende Obermeister der Bäcker-Innung, Dirk Schnittker: „Man kann die Brötchen nur einmal verkaufen.“ Sein Kollege Jochen Meyer wies darauf hin, dass am Westring bereits drei Bäcker mit Ladengeschäften vertreten seien. „Leider wird für die Innenstadt zu wenig gemacht.“ Er frage sich, ob Lidl die Fläche zurückbauen werde, falls der Back-SB aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden müsse.

Sandkuhl moniert, „dass die Innenstadtentwicklung seit Jahren nicht vorangeht – trotz vieler (teurer) Gutachten, Projektentwickler, Marketingpläne und was sonst alles schon angedacht wurde.“ Budgetmittel, die für ein professionelles Citymanagement eingeplant waren, seien von der Verwaltung anderweitig eingesetzt worden. Und weiter: „Die Kommunikation zwischen Investoren der Innenstadt und der Verwaltung ist (...) auf dem Nullpunkt.“