HANNOVER - Knapp eine Woche vor dem Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben spitzt sich die Lage zu. Anti-Atom-Gruppen kündigten massive Proteste an. Grüne und Linke wollen sich am Widerstand gegen den Atommüll-Transport im Wendland beteiligen. Zahlreiche Künstler, darunter Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, Moderatorin Charlotte Roche und Rocksänger Udo Lindenberg, riefen zu Aktionen gegen längere Atomlaufzeiten und den Castor-Transport auf. Das Innenministerium in Hannover warnte vor Gesetzesverstößen.
„Ich erwarte, dass wir den härtesten Polizeieinsatz in der Geschichte Gorlebens bekommen werden“, sagte der Linken-Abgeordnete Kurt Herzog, der in Dannenberg direkt an der Route wohnt, auf der der Atommüll transportiert wird. Herzog rechnet mit dem Einsatz von Wasserwerfern und Schlagstöcken, um Sitzblockaden aufzulösen. Eine so große Anzahl von Blockierern könne nicht mehr einfach weggetragen werden.
Grüne und Linke forderten die Landesregierung auf, den Transport abzusagen. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel verlangte in einem Brief an Ministerpräsident David McAllister (CDU), sich gegen ein mögliches Endlager in Gorleben zu wenden. „Es ist höchste Zeit für eine mutige Entscheidung“, schrieb Wenzel.
Nach Angaben von Bürgerinitiativen werden zu den Protesten mehr als 30 000 Atom-Gegner im Wendland erwartet – so viele wie nie zuvor. Die Grünen-Bundesspitze und der Vorstand der Linken haben sich angekündigt. Rund 16 500 Polizisten sollen den Castor-Transport sichern.
Die Umweltorganisation Greenpeace forderte die offizielle Bekanntgabe der rund 1000 Kilometer langen Strecke von Frankreich nach Gorleben. Die Menschen hätten ein Recht darauf zu erfahren, „wenn ein derart gefährlicher Konvoi bei ihnen vorbeifährt“. Nach Informationen von Greenpeace soll der Zug am kommenden Freitag von Valognes in der Nähe der Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague über Caen nach Metz fahren. Von dort aus gebe es drei Varianten, um die Grenze nach Deutschland zu überqueren: über Lauterburg, Forbach oder Kehl.
Castor-Gegner haben angekündigt, Schottersteine auf der Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg zu entfernen, wo der Zug sehr langsam fahren muss. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen gegen hunderte Personen. Innenminister Uwe Schünemann (CDU) warnte vor Straftaten. Er fürchtet gewalttätige Demonstrationen gegen den Transport.
