HANNOVER - HANNOVER/DPA - Alles dauert nur Sekunden, der Hammer fällt. In Windeseile hat ein Sammler für 180 000 Euro ein Gemälde aus dem Jahr 1516 ersteigert. Zu sehen war der Kunstliebhaber nicht – er hat wie viele andere per Telefon seine Gebote abgegeben. Bei einer der größten Versteigerungen von Adelsbesitz ließ die Welfenfamilie am Mittwoch vom Auktionshaus Sotheby's auf der Marienburg bei Hannover tausende ihrer Kunstschätze verkaufen.
Bereits am ersten Tag brachte die Auktion wertvoller Kunstschätze 6,3 Millionen Euro ein. Die königlichen Kostbarkeiten erreichten im Minutentakt ein Vielfaches des ursprünglichen Schätzwertes. „Das ist der letzte Familienschatz, den es noch gibt“, schwärmte ein Kunstliebhaber aus Hamburg. Er war wie rund 200 andere Bieter gekommen, um Bilder alter Meister und historische Waffen zu ersteigern.
Im Auktionszelt auf dem Innenhof des Schlosses waren edle Designerkleidung und teurer Schmuck kaum zu sehen. Prominenz und Angehörige von Adelshäusern beteiligten sich meist nur über Vermittler an der Versteigerung. Prinz Heinrich von Hannover, der Bruder des Welfenchefs Ernst August, saß jedoch selbst im Publikum und blätterte im dicken Katalog. Ersteigern wolle er aber nichts, sagte der Adelige, der die Auktion erneut kritisierte. „Jetzt wird kulturelles Erbe in Bares umgesetzt.“ Die Leute sollten kommen und „sehen, wie man mit Kultur nicht umgehen darf“, so Prinz Heinrich.
Der Kunstberater des königlichen Hauses Hannover, Christoph Graf Douglas und Sotheby's-Manager Philipp Herzog von Württemberg strahlten dennoch. „Es läuft fabelhaft“, sagte von Württemberg, der die bedeutendste Versteigerung von Adelsbesitz seit den Auktionen der Häuser Thurn und Taxis und von Baden leitete. Sollten an den weiteren Auktionstagen ebenso hohe Summen zusammenkommen, wird der ursprünglich erwartete Umsatz von insgesamt 12 Millionen Euro bei weitem übertroffen.
