HANNOVER - Zum Start in das neue Ausbildungsjahr gibt es in Niedersachsen immer noch viele unbesetzte Lehrstellen. Nach Angaben der Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Niedersachsen, Sonja Kezma, sind bei den Agenturen im Land momentan noch 14 229 Stellen als frei gemeldet.
Wir haben schlichtweg zu wenig Jugendliche für den Ausbildungsmarkt. Die Zahl der Schulabgänger nimmt immer weiter ab gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge jetzt in den Ruhestand, sagte Heinz Orlob von der IHK in Hannover. Dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen.
Die Sprecherin der Arbeitsagentur erklärte zudem, Wünsche und Qualifikationen der Bewerber unterschieden sich oft sehr von denen der Arbeitgeber. Deshalb kommen viele Lehrverträge nicht zustande, sagte sie.
Nach wie vor bemängeln viele Arbeitgeber eine unzureichende Qualifikation der Bewerber. Vor allem kleinere mittelständische Unternehmen haben massive Schwierigkeiten bei der Suche nach Personal. Die Anforderungen dort sind noch höher, weil die kleineren Betriebe spezialisiert sind und mehr Fachwissen nötig ist, sagte der Landesvorsitzende des Bundes der Selbstständigen, Hans-Joachim Blohme. Er fordert eine stärkere, frühzeitige Zusammenarbeit von Schulen und Ausbildungsbetrieben.
Nicht nur Mittelständler, sondern ganze Branchen finden nur schwer Auszubildende. Besonders stark betroffen sind das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie technische Berufe. Nach IHK-Angaben liegt das auch am Image einiger Branchen. In einigen Berufsfeldern werden derzeit, etwa im Emsland, bereits Kooperationen mit Auszubildenden aus Spanien ausgebaut.
Bemerkenswert: In der Landwirtschaft gibt es in Niedersachsen offenbar keinen Mangel an Lehrlingen: Wir haben seit Jahren nicht mehr so viele Bewerbungen erhalten, sagte Edda Albers von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg). Zudem meldete das Handwerk auch im Nordwesten starken Zuwachs. Die Demografiediskussion ist endlich auch in den Betrieben angekommen. Lehrverträge werden jetzt viel frühzeitiger abgeschlossen, um die Stellen rechtzeitig zu besetzen, hieß es bei der HWK Stade.
