Hannover/Berlin/Brüssel - Jutta Kremer macht aus ihrem Herzen keine Mördergrube. „Wir wollen so viel wie möglich aus Brüssel nach Niedersachsen reinholen“, beschreibt die Staatssekretärin im neuen Landesministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung die ganz pragmatische Aufgabe des gerade erst von der Großen Koalition geschaffenen Ressorts. Im Klartext: Es geht um Millionensummen aus den unzähligen Fördertöpfen der EU.

Dafür steigt die bisherige Staatssekretärin in der niedersächsischen Staatskanzlei, Birgit Honé (57), zur Ministerin auf. Denn Titel sind auch Türöffner – gerade in den europäischen Behörden, weiß die Juristin und SPD-Politikerin, die seit 2013 als Mitglied im Vorstand sowie als Vertreterin des Landes Niedersachsen im Lenkungsausschuss und in der Metropolversammlung der Metropolregion Nordwest sitzt. Zu den Zuständigkeiten Honés gehört auch in Zukunft das gesamte Thema „Masterplan Ems“.

Die Verteilung der EU-Milliarden wird diesmal so kompliziert und umkämpft wie noch nie. Die neue Förderperiode läuft ab 2020: Das Problem: Mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (Brexit) schrumpft der Förderkuchen. Experten beziffern die fehlende Summe durch den Brexit auf etwa 15 Milliarden Euro. Das Tauziehen sei „längst im Gang“, bestätigt Staatssekretärin Kremer.

Honé fungiert mit dem Minister-Titel im Gepäck in den nächsten entscheidenden Monaten als Botschafterin Niedersachsens in Brüssel – von der dortigen Landesvertretung aus. Natürlich sitzt vor allem die Bundesregierung bei allen Beratungen um die künftigen Fördergelder am Tisch. Doch hinter den Kulissen läuft viel. Dabei an der richtigen Stelle Flagge zu zeigen, kann sich richtig in Bargeld auszahlen.

Das neue Europaministerium spielt dabei auch die zentrale Sammelstelle für alle Wünsche aus Niedersachsen. „Sämtliche Mittel laufen durch unser Haus“, erläutert Staatssekretärin Kremer. Aber alle Schritte erfolgen in enger Abstimmung mit den niedersächsischen Kommunen und dem Landwirtschaftsministerium.


Für die neue Aufgabe nimmt Honé gleich drei Abteilungen aus der Staatskanzlei mit ins neue Ministerium – rund 300 Mitarbeiter. Die zentrale Schaltstelle der Landersregierung schrumpft im Gegenzug auf nur noch zwei Abteilungen.

Der Titelteil „Bundesangelegenheiten“ verweist zugleich auf die Aufgabe in Berlin. Honé ist natürlich zugleich Hausherrin in der dortigen Landesvertretung. Bisher wurden die Aufgaben von einem Staatssekretär wahrgenommen. Aber zumindest alle großen Bundesländer schmücken ihre Beauftragten mit einem Ministertitel. Warum sollte Niedersachsen sich kleiner machen als nötig?