HANNOVER/BERLIN - Der Kundenverband fordert eine Abkoppelung vom Ölpreis. Eine Neuregelung sei nötig.

Von Rüdiger zu Klampen

und unseren Agenturen

HANNOVER/BERLIN - Die Gasversorger in Deutschland geraten unter Druck: Mit Blick auf die steigenden Gasrechnungen der Verbraucher hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) die seit Jahrzehnten übliche Gaspreis-Koppelung an die Ölpreise in Frage gestellt. „Es wird zu fragen sein, ob die Bindung der Ölpreise an die Gaspreise unter den jetzigen Bedingungen wirklich gerechtfertigt ist“, sagte Schröder gestern. Am Vortag war auch aus der CDU die Abschaffung der Ölpreisbindung gefordert worden.

In Deutschland nutzen 53 Prozent der Haushalte Gas zum Heizen und Kochen – im Weser-Ems-Gebiet ist der Anteil noch deutlich höher. Die Versorgerbranche kündigte weitere Preisanhebungen an.

Die Ölpreisbindung „muss weg“, sagte der Verband der Energie-Abnehmer (Hannover) der NWZ . Sie sei „nicht mehr zeitgemäß“, so Geschäftsführer Manfred Panitz. Das sagte auch Kartellamtspräsident Ulf Böge. Gaspreisbewegungen seien oft „nicht nachvollziehbar“.


Die Ölpreisbindung sei eingeführt worden, weil in den 60er-Jahren die Gasnutzungspioniere eine Absicherung wollten, nicht schlechter zu fahren als mit Öl, so Panitz. Die Frage sei, „was es heute mit dem Erdgas aus Russland zu tun hat, wenn in den USA Raffinerien ausfallen“.

Die Gas- und Wasserwirtschaft verteidigte die Ölpreisbindung. Bei langfristigen Lieferverträgen mit dem Ausland könnten keine festen Preise vereinbart werden. Man brauche eine flexible Größe.

Die Oldenburger EWE AG verweist in einer „Kunden-Info“ darauf, ein Wegfall der Ölpreisbindung werde nicht automatisch zu sinkenden Preisen führen. Auch Preise an den „Spotmärkten“ ohne direkte Ölpreisbindung orientierten sich an den Ölpreisen.

Wirtschaft, S.23