HANNOVER/CLOPPENBURG - HANNOVER/CLOPPENBURG/DPA - In Niedersachsen hat es in den Jahren 1999 bis 2004 aus Sicht der Grünen einen „Geheimanbau“ von Genmais gegeben. Die Partei sprach am Sonntag von einem „Skandal“. Weder die Öffentlichkeit noch die Nachbarn und manchmal nicht einmal die Grundstückseigentümer seien über die Freilandexperimente informiert worden. Dabei habe es mangelnde Sicherheitsmaßnahmen gegeben.

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Klein kritisierte, mit unzureichenden Sicherheitsabständen, mangelhaften Nachkontrollen und dem Verfüttern der Gentechnikernte habe man eine flächendeckende Verbreitung riskiert oder möglicherweise bereits eingeleitet. Das Beispiel der „Geheimaktion“ zeige, wie verantwortungslos Unternehmen und Behörden mit der Risikotechnologie umgingen. Das Landwirtschaftsministerium war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Auswirkungen von gentechnisch veränderten Pflanzen sind zum Teil noch unklar. Der Genmais produziert einen Wirkstoff gegen den Schädling Maiszünsler. Kritiker warnen vor möglichen Schäden für die Umwelt, zum Beispiel für Insekten.

Wie die Grünen-Landtagsfraktion mitteilte, dokumentierte das Landwirtschaftsministerium in einer Antwort auf eine Anfrage Kleins für die Jahre 1999 bis 2004 etwa 35 über das ganze Land verteilte Freisetzungsstandorte.

Danach testete das Bundessortenamt, zum Teil in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern, an den Standorten neue Genmaissorten. Nach einer Übersicht des Landwirtschaftsministeriums handelte es sich um Anbauorte in den Kreisen Cloppenburg, Gifhorn, Uelzen, Northeim, Rothenburg/Wümme, Ammerland, Celle, Diepholz und Osnabrück sowie um Standorte in der Grafschaft Bentheim und in der Region Hannover.


Das Ministerium schreibt in seiner Antwort auf die Anfrage Kleins, die Flächeneigentümer seien „auf offiziellem Weg“ zunächst nicht über die Genmais-Experimente informiert worden. „Es bestand zu der in Rede stehenden Zeit auch keine gesetzliche Anzeigepflicht.“ Im Rahmen von Auftragsversuchen sei es außerdem üblich, die Prüfvarianten vertraulich zu behandeln.