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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Kostenlos oder nicht durch den Norden?

17.02.2018

Hannover /Delmenhorst /Nordenham Jahrzehntelang wurden die Städte auch im Norden für immer mehr Autoverkehr ausgebaut. Weil nun die Luftverschmutzung Grenzwerte überschreitet und die Europäische Kommission Druck macht, hat der Bund zur Entlastung einen kostenlosen Nahverkehr ins Gespräch gebracht. Wie viel müssen Pendler bislang für Bus und Bahn zahlen, und bringen kostenlose Tickets die Lösung für verstopfte Städte? Fragen und Antworten:

Was kostet bisher ein Fahrschein im Norden?

Der Einzelfahrschein kostet zumeist zwischen 2,10 Euro (Delmenhorst) und 2,80 Euro (Bremen/Osnabrück). Für knapp die Hälfte sind Kinder unterwegs (Braunschweig/Wolfsburg 1,40 Euro, Hannover 1,30 Euro, Nordenham 1,15 Euro), die Kurzstrecke kostet in Hannover 1,50 Euro und in Bremen 1,45 Euro. Die Monatskarte für das Stadtgebiet gibt es in Verden für 48,80 Euro, in Göttingen für 52,50 Euro und in Osnabrück für 57,50 Euro. In vielen Kommunen gibt es weitere Angebote wie Tageskarten, 4er- oder 10er-Tickets oder etwa die Citykarte für den Bürgerbus Badbergen (1 Euro) oder das „Bramscher Kärtchen“ (9-Uhr-Tagesticket, 4,30 Euro).

Welcher Aufwand fiele bei Kostenfreiheit an?

Das Wirtschaftsministerium in Hannover geht überschlägig von einem Aufwand von vier bis fünf Milliarden Euro pro Jahr aus. Alleine die Fahrgeldeinnahmen betragen bisher 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro. Zudem müssten zusätzliche Busse und Bahnen angeschafft und die Infrastruktur erweitert werden, wenn viel mehr Menschen den Nahverkehr nutzen als derzeit.

Gibt es Alternativen zum kostenlosen Nahverkehr?

Der Fahrgastverband Pro Bahn in Niedersachsen regt gezielte Angebote für Touristen, Senioren und Pendler an. Nach dem Vorbild der Schweiz und touristischer Regionen wie etwa dem Schwarzwald könnte in die Kurtaxe oder Gästekarte die kostenlose Nutzung des Nahverkehrs in der Urlaubsregion eingeschlossen werden. Da Touristen meist nicht im Berufsverkehr unterwegs seien, nutzten sie ohnehin freie Plätze im öffentlichen Nahverkehr und entlasteten Straßen und Parkplätze. Dasselbe gelte, wenn stark ermäßigte Monatskarten für Senioren eingeführt werden, argumentiert Pro Bahn.

Warum ist Pro Bahn so zurückhaltend?

Wie der Pro-Bahn-Landesvorsitzende Björn Gryschka sagt, droht bei kostenlosem Nahverkehr die Qualität auf der Strecke zu bleiben. Der Wettbewerb im Bahnverkehr habe in den vergangenen 20 Jahren zu erheblichen Verbesserungen geführt. Ohne finanziellen Anreiz strengten sich Verkehrsunternehmen nicht mehr an, neue Fahrgäste zu gewinnen.

Sind im Norden andere Vergünstigungen geplant?

Alle 220 000 Studenten in Niedersachsen und Bremen können mit ihrem Semesterticket ab Herbst landesweit mit Regionalzügen fahren. Im Rahmen dieser Regelung sind auch Fahrten bis Magdeburg, Lübeck, Kassel, Paderborn, Bielefeld, Münster, Hamburg und ins niederländische Hengelo möglich. Ab Ende des Jahres ist in allen regionalen Bahnfahrkarten nach dem Niedersachsentarif die Nutzung von Bus, Straßenbahn und U-Bahn automatisch mitenthalten. Die Regelung gilt auch für Fahrten nach Hamburg und Bremen. Von der Neuregelung, die das Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln vereinfacht und preiswerter macht, erhofft sich das Land zusätzliche Fahrgäste.

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