HANNOVER - Nicht nur die Politik in Niedersachsen macht sich Sorgen über den Gesellschaftswandel. Die niedersächsische Wirtschaft hat eine Demografieagentur gegründet, um sich auf die Veränderungen der Arbeitswelt durch ältere Arbeitnehmer und weniger Nachwuchskräfte einzustellen. Die Agentur wurde am Montag in Hannover vorgestellt. Zu den Gründungsmitgliedern zählen NiedersachsenMetall, DGB Niedersachsen, AOK Niedersachsen, das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft und die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland. Die in Hannover ansässige Gesellschaft sieht sich als übergeordnetes Netzwerk, in dem Ansätze für eine „demografiefeste Arbeitswelt“ gebündelt und entwickelt werden.

„Mit der Demografieagentur haben wir in Niedersachsen etwas bundesweit Einmaliges auf die Beine gestellt“, so Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall und Aufsichtsratsvorsitzender der neuen Gesellschaft. Die neue Einrichtung wird in einem eigenen Förderprojekt mit einer Laufzeit von zunächst 30 Monaten eine Demografie-Koordinierungsstelle aufbauen. Das Projekt mit vier Mitarbeitern wird gefördert durch das Land und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.

Für den niedersächsischen DGB-Vorsitzenden Hartmut Tölle ist die Agentur eine „wichtige sozialpartnerschaftliche Ideenbrücke“ als Reaktion auf die demografischen Veränderungen in der Arbeitswelt. Die Belegschaften würden älter, Nachwuchskräfte würden gesucht.

„Wir müssen die Auswirkungen des demografischen Wandels als echte Chance begreifen“, sagte Ministerpräsident David McAllister (CDU). Eine Bevölkerung müsse nicht ständig wachsen, um zusammenzuhalten und produktiv zu sein. Die Gewerkschaft Verdi kritisierte das Handlungskonzept der Regierung zum Demografiewandel als „wenig handlungsorientiert“. Verdi forderte die Abschaffung der Studiengebühren und des Pflegeschulgeldes.