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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Ritt auf der Rasierklinge in die E-Mobilität

12.04.2019

Hannover /Emden Die Festlegung von VW-Chef Herbert Diess auf die E-Mobilität als Autoantrieb der Zukunft sorgt bei den Zulieferern für Unruhe. Vor allem in Niedersachsen, wo laut ifo-Institut rund 16 Prozent aller Industriearbeitsplätze vom Verbrennungsmotor abhängen. Mit einer Abkehr vom Verbrenner könnten viele dieser Jobs angesichts bislang fehlender Batteriefabriken ersatzlos wegfallen. Kleinere Zulieferer könnten ihre Geschäftsgrundlage verlieren, fürchtet man in der Branche.

Auch die Landespolitik sieht Handlungsbedarf, wie das nun beschlossene 50-Millionen-Euro-Hilfsprogramm für die Noch-Motorenstadt Salzgitter zeigt. Am 10. Mai lädt die Landesregierung die Automobilzulieferer zum „Strategiedialog“ nach Hannover. Eine Schönwetterveranstaltung erwartet Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), die auch Landesparteichefs und VW-Aufsichtsräte sind, dabei wohl nicht.

„Es gibt Redebedarf“, heißt es in der Branche. Denn es seien Vorgaben der Politik, die VW in den Elektromotor trieben. „Mitte Dezember vergangenen Jahres hat sich die EU auf schärfere CO2-Grenzwerte für Neuwagen geeinigt. Sie sollen bis 2025 15 Prozent und bis 2030 rund 37,5 Prozent weniger CO2 ausstoßen. Damit bleibt der deutschen Automobilindustrie kaum eine andere Wahl, als massiv auf den Ausbau der Elektromobilität zu setzen“, sagt der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsenmetall, Volker Schmidt.

Schmidt ist die politische Stimme der geschätzt rund 130 000 Zulieferer-Arbeitsplätze bei mehr als 700 Unternehmen im Land – und ausgewiesener E-Mobilitäts-Zweifler.

Schmidt ist nicht der Einzige, der das E-Auto-Bekenntnis von VW hinterfragt: Kurz nach der Diess-Festlegung meldete sich einer der weltgrößten Zulieferer zu Wort. „Man darf nicht die Strategie eines einzelnen Unternehmens mit der gesamten Branche gleichsetzen“, sagte der Chef von ZF Friedrichshafen, Wolf-Henning Scheider, Mitte März dem „Tagesspiegel“. Andere Global Player stimmen zu: „Wir sind technologieoffen“, heißt es bei Continental in Hannover ebenso wie bei Bosch in Stuttgart. Es gebe neben VW auch andere Hersteller – und andere Märkte –, die statt auf reine Stromer auf Hybridantriebe und/oder Brennstoffzellen setzten. Und am Ende müsse der Kunde das E-Auto erstmal kaufen, damit es zum Erfolg werden könne. „Nicht jede Familie, die die 500 Kilometer entfernte Oma besuchen will, möchte auf der Fahrt zwei Stunden Ladepause machen“, sagt ein Zulieferer.

Tatsächlich ist der E-Auto-Absatz trotz Förderung bescheiden: In Niedersachsen gab es im März nur 394 Prämien-Anträge.

Mittlerweile sieht auch die Politik den Diess-Kurs kritisch: Anfang der Woche nannte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) die Festlegung „komplett falsch“. Am Verbrenner hängen in Niedersachsen viele Jobs

Doch wenn der mit 120 000 VW-Beschäftigten größte Arbeitgeber im Land umsteuert, schafft das Fakten und Risiken: Niedersachsenmetall zufolge hängt fast jeder zweite Industriejob im Land am Auto. Und diese Branche soll binnen zehn Jahren umsteuern. „Das wird ein Ritt auf der Rasierklinge!“, warnt Schmidt. Zwar fallen die Arbeitsplätze beim Verbrenner nicht sofort weg, doch Betriebe brauchen neue Geschäftsmodelle, Arbeiter neue Qualifikationen.

Beim Zulieferergipfel wollen die Firmen deswegen zusammen mit der Politik einen Handlungskatalog erarbeiten. „Hier sind Politik, Sozialpartner und die Gesellschaft insgesamt gefordert“, sagt Schmidt. In der Politik scheint das erkannt: Der Strategiedialog solle helfen, den Automobilstandort Niedersachsen zukunftsfähig zu machen, sagt Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). „Es gehe darum, die Kräfte für ein vorausschauendes Transformations-Management der niedersächsischen Automobilindustrie zu bündeln“, sagt er.

Die Problematik der Zulieferer in der Heraufziehenden Ära der E-Mobilität ist auch großes Thema im Raum Emden, im Umkreis des dortigen VW-Werkes. Man will dort frühzeitig und gezielt neue Zulieferer ansiedeln, um den drohenden Verlust von traditionellen Arbeitsplätzen auszugleichen.

Klaus Wieschemeyer Korrespondent / Redaktion Hannover
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