HANNOVER - Die Erdgasbranche treibt die Erschließung neuer Vorkommen in Deutschland trotz Kritik weiter voran. In der Debatte um eine sichere Energieversorgung und Ergänzung erneuerbarer Energiequellen dringen die Unternehmen darauf, die Potenziale beim unkonventionellen, im Gestein gebundenen Gas nutzen zu können – und setzen dazu auf das umstrittene Fracking-Verfahren.

„Ohne zusätzliches Erdgas wird die Energiewende in Deutschland nicht zu meistern sein“, sagte der Vorsitzende des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) und Europa-Chef von Exxon-Mobil, Gernot Kalkoffen, in Hannover. Man wisse jedoch um die Bedenken und werde das Gespräch mit Bürgern und Umweltorganisationen stärker suchen, versprach er.

Es geht um die Anbohrung von Tiefengestein zur Gasgewinnung. Kritiker befürchten, dass das dabei unter Hochdruck in die Schichten gepresste Gemisch aus Sand, Wasser und Chemikalien in das Grundwasser gelangen kann. Proteste der Bevölkerung nehme er sehr ernst, sagte der Exxon-Mobil-Mann: „Wir müssen den Dialog intensivieren.“ Die nach Verbandsangaben bislang mehr als 300 Fracking-Anwendungen in Deutschland zeigten, dass die Methode sicher sei. Lecks bei normalen Bohrungen würden mit dem TÜV und den Behörden sorgfältig geprüft. 2011 habe es vier solcher Fälle gegeben.

95 Prozent der deutschen Erdgasförderung fänden in Niedersachsen statt. Die inländische Förderung der Mitgliedsfirmen sank 2011 um 0,8 auf 11,9 Milliarden Kubikmeter. 14 Prozent der deutschen Versorgung stammten aus einheimischem Gas.

Dem WEG zufolge sind die Reserven riesig: Sie lägen hierzulande noch bei 125 Milliarden Kubikmetern – vier Fünftel entfielen auf unkonventionelle Bestände an Schiefer- und Kohleflözgas. Im Ausland förderten deutsche Firmen zuletzt fast stabile 14,9 Milliarden Kubikmeter Gas.


Beim Erdöl stieg die Inlandsförderung um 0,2 auf 2,7 Millionen Tonnen (Ausland: minus 8,1 auf 4,6 Millionen Tonnen).