HANNOVER - Die wirtschaftlichen Perspektiven für Windkraftanlagen im Meer (Offshore-Anlagen) sind positiv. Doch der Ausbau kommt nur langsam voran. Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat deshalb der Bundesregierung einen Masterplan vorgeschlagen, der Fragen zum Ausbau der Offshore-Energie aufgreifen und den Weg hin zum Ausbauziel aufzeigen soll (wir berichteten).

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilt McAllisters Einschätzung. Ein „Schulterschluss aller Akteure“ sei notwendig, um Offshore-Windenergie im erforderlichen Umfang ausbauen zu können, heißt es in einem Schreiben Merkels an McAllister, das dieser Zeitung vorliegt. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) bestätigt in einem weiteren Brief an McAllister: „Die entscheidenden Hemmnisse liegen derzeit im Bereich der Netzanbindung.“

Die Landesregierung sieht ein Hauptproblem in ungeklärten Haftungs- und Finanzierungsfragen für Offshore-Projekte. Hier müssten schnell Lösungen erarbeitet werden. Zentral sei auch der Leitungsausbau an Land: Für die geplanten 10 000 Megawatt würden bis 2020 mindestens drei neue Höchstspannungstrassen benötigt. Auch ökologische Fragen – zum Beispiel die Folgen von Offshore-Investitionen auf Schweinswale und geschützte Vogelarten – müssten geklärt werden. McAllister weist darauf hin, dass sich „hieraus neue Hemmnisse in der Zukunft herausbilden könnten“.

Röttgen sichert McAllister zu, die Küstenländer auch an der Diskussion über die Folgen des Offshore-Windenergieausbaus für Häfen und Schiffe zu beteiligen.

Die Staatskanzlei verbucht die Berliner Reaktion als Erfolg bei der Beschleunigung der Energiewende. McAllisters Vorstoß habe den erhofften Anstoß für einen Masterplan ausgelöst, urteilt Regierungssprecher Franz Rainer Enste. Die ehrgeizigen Ziele für die Offshore-Windenergie ließen sich ohne engere Absprache nicht erreichen.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)