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Nahverkehr Mit Moia Mobilität umkrempeln?

Klaus Wieschemeyer Büro Hannover

Hannover/Hamburg/Osnabrück - Für das Zwischending zwischen Taxi und Bus braucht man in Hannover eine Handy-App und eine Kreditkarte oder Kontoverbindung. In die App tippt man Start und Ziel ein, kurz darauf meldet das Handy, in wie viel Minuten und an welcher Straße der Bulli einen einsammeln will. Bestätigt man, wird ein meist krummer Betrag unter 8 Euro abgebucht und auf der Stadtkarte erscheint das sich dem Einstiegspunkt nähernde Fahrzeug.

Das Ganze heißt Moia und ist eine mit hohen Erwartungen und angeblich 300 Millionen Euro gestartete VW-Tochter, die den städtischen Mobilitätsmarkt erobern soll. Seit Ende 2017 kurven Moia-Kleinbusse mit aktuell 160 Fahrern in T6-Diesel-Bullis durch Hannover, an diesem Montag will das Start-up mit 400 Fahrern und in Osnabrück gebauten E-Mobilen in Hamburgs Innenstadt starten.

Immer neue Fahrtroute

Die Idee: Mehrere Personen, die in eine ähnliche Richtung fahren, teilen sich per „dynamischem Pooling-Algorithmus“ (Moia) ein Fahrzeug. Entlang der immer neu berechneten Fahrtroute steigen die Leute zu oder aus. Was sich wie ein hippes Sammeltaxi anhört, nennt sich „Ride-sharing“. Das soll in Metropolen die Lücke zwischen Taxi, Bus und Bahn füllen. Das „Pooling“ verringere den Individualverkehr, entlaste Straßen und Umwelt, sagt ein Moia-Sprecher.

Die Taxibranche in Hannover sieht das anders: Hier werde von VW ein „Markt erkauft“, schimpfte ein Verbandschef Ende Februar bei einem Parlamentsabend in Hannover. Moia sei „Verdrängungswettbewerb pur“.

Protestkorso von Taxen

Ende März rollte ein Protestkorso Hunderter hupender Taxen durch die Stadt, um gegen die vom Bund geplante Liberalisierung des Fahrdienstmarktes zu protestieren. Dabei geht es um den globalen Player Uber – und den Lokalmatador Moia. Zwar betont dieser, keine Konkurrenz zum Taxi zu sein, doch die sehen das anders.


Gunther Zimmermann, für Taxen zuständiger Geschäftsführer beim Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) zweifelt am Moia-Geschäftsmodell. Es gehe darum, einen lukrativen Markt zu besetzen, denn Ridesharing lohne sich nur in Monopolen, sagt Zimmermann. Nicht umsonst sei Moia in Berlin gescheitert – dort fährt bereits eine Daimler-Tochter.

Sammler von Daten?

Zudem sei das Unternehmen vor allem Datensammler. Der Algorithmus sei das eigentliche Geschäftsmodell. Tatsächlich gehört das junge Unternehmen zur VW-Nutzfahrzeugsparte VWN, bei der auch am autonomen Fahren und Robotaxen geforscht wird. Geht es also um autonome Autos, wie sie der Konzern ebenfalls in Hamburg testet?

„Das Know-how von Moia wird eingebracht in die Aktivitäten zu neuen Mobilitätsdiensten und zum autonomen Fahren, die innerhalb des Volkswagen Konzerns bei VWN gebündelt und konzentriert werden“, sagt ein Moia-Sprecher. Und macht klar, dass es VW um mehr geht als ein paar Sammeltaxen: Die Mobilität in den Städten werde sich ändern, dem stelle man sich. „Ziel ist es, nicht nur zu reagieren, sondern den Wandel der Mobilität in und mit den Städten und den Menschen aktiv mitzugestalten“, sagt er.

Mobile Spaltung?

Zimmermann warnt vor einer mobilen Spaltung: Auf der einen Seite lohnende Metropolen mit kaum regulierten Monopol-Fahrdiensten für die Großstädter. Auf der anderen Seite ländliche Regionen, in denen darbende Taxifahrer ihren behördlichen Auftrag mit seinen vielen Auflagen noch mit Telefon neben dem Bett sichern können.

Am Moia-Modell hat Zimmermann Zweifel: Es gebe „sehr viele Leerfahrten“ in Hannover, sagt er.

Nachprüfen lässt sich das nicht: Moia nennt keine Zahlen. Gerüchte, die getönten Scheiben der Bullis sollten den Blick ins meist leere Wageninnere verbergen, nennt das Unternehmen „Unsinn“. Immer wieder werde versucht, Moia mit Falschmeldungen „bewusst zu diskreditieren“. Dabei gehe es um mehr: „Unser Ziel ist, dass die Menschen ihr privat genutztes Auto stehen lassen und auf einen gesunden Mix an Mobilitätsangeboten in der Stadt zurückgreifen“, sagt der Sprecher. Davon würden am Ende alle profitieren. „Kleinliche Streitigkeiten zwischen den Mobilitätsanbietern einer Stadt zementieren letztlich nur den Status quo mit Staus, Lärm und Abgasen“.

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