HANNOVER - Deut­sche Firmen verlieren durch Industriespionage und Produktfälschungen jedes Jahr viele Milliarden Euro. Doch nicht nur Hacker-Angriffe aus dem Internet oder nachgebaute Waren aus China machen den Unternehmen das Leben schwer: Nach wie vor sitzen Verräter von Firmengeheimnissen häufig in den eigenen Reihen.

Auch in Deutschland werden allerdings zunehmend Produkte gefälscht, wie zwei am Montag veröffentlichte Studien zeigen.

Chinas Premier Wen Jiabao versprach bei einem Wirtschaftsforum im Rahmen der Hannover Messe, im Kampf gegen Produktfälschungen die Rechte von Unternehmen an eigenen Entwicklungen zu respektieren. „China wird sich (...) an den Schutz des geistigen Eigentums halten.“

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) geht davon aus, dass der Branche durch Produktpiraten 2011 Umsätze in Höhe von fast 8 Milliarden Euro verloren gingen – gut ein Viertel mehr als im Jahr 2010. China werde mit Abstand am häufigsten genannt, heißt es beim VDMA unter Verweis auf eine Umfrage unter Mitgliedsfirmen. Allerdings nehme die Zahl der Fälschungen aus dem Reich der Mitte ab.

Die Industriespionage via Netz ist für viele deutsche Firmen zunehmend ein teures Problem. Der Trend zu Smartphones oder Tablet-Rechnern schaffe Einfallstore für Datendiebe, heißt es in einer Umfrage der Münchner Sicherheitsberatung Corporate Trust bei fast 600 Firmen. Gerade auf Dienstreisen seien viele Mitarbeiter zu sorglos unterwegs.


Allein die Schäden durch Hacker-Angriffe oder Geheimnisverrat summieren sich demnach auf 4,2 Milliarden Euro. Es sei erschreckend festzustellen, wie die Industriespionage in den vergangenen Jahren explodiert sei.