Hannover - Zum Auftakt der Hannover Messe präsentiert sich die deutsche Industrie in Top-Form. Aber es gibt auch einige Dämpfer. Zwar setzt sich der Boom laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fort, doch bei dem seit Jahren anhaltenden Wirtschaftsaufschwung in Deutschland verstärkten sich die Risiken. Im laufenden Jahr sei daher ein eher moderates Wachstum der realen Wirtschaftsleistung zu erwarten. „Besser als in diesem Jahr wird die Konjunktur wohl nicht mehr“, meinte BDI-Präsident Dieter Kempf am Montag auf der Hannover Messe. Im neunten Jahr des Aufschwungs basiere das Wachstum vor allem auf dem Heimatmarkt Europa: Erstmals seit zehn Jahren wachse die Wirtschaft aller 28 EU-Staaten wieder.

Vor allem der Fachkräftemangel, der schleppende Breitbandausbau sowie ausbleibende Anreize für private Investitionen machen laut BDI vielen Betrieben zu schaffen. Er schlägt außerdem eine Förderung vor, bei der zehn Prozent der Personalausgaben in Forschung und Entwicklung bei der Steuerlast angerechnet werden.

Mit Blick auf den indus­triellen Mittelstand forderte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) von der Bundesregierung einfachere Vorgaben bei der Absicherung von Exportgeschäften über die Hermes-Deckung für Kredite bis fünf Millionen Euro. Nötig seien auch klare Leitlinien für den Einsatz der Künstlichen Intelligenz (KI). Das könne nur über eine europäische Strategie geregelt werden.

Die KI ist Trendthema auf der Hannover Messe und zählt zu den Schlüsseltechnologien, die nicht nur in Produktionshallen für umfassende Veränderungen sorgen werden. Sie wird begleitet von Ängsten vor einem Kontrollverlust. Ob es dazu kommen könne, liege in den Händen der Entwickler und Anwender, sagt Ralph Appel, Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure VDI. Laut einer Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft BVDW fürchten 48 Prozent der Befragten, dass der Mensch die Kontrolle beim Verhältnis Mensch-Maschine verlieren werde. 69 Prozent glauben demnach, dass durch Künstliche Intelligenz massenhaft Arbeitsplätze entfallen werden.


Der VDI sieht das ganz anders. „Wenn wir die digitale Transformation und die Möglichkeiten der KI richtig bewerten und angehen, wird daraus ein Jobmotor“, meint Appel. Das Thema stecke in Deutschland aber noch in den Kinderschuhen.

Angesichts der neuen Kundenbedürfnisse bei der Digitalisierung richten sich Unternehmen wie Bosch und Telekom neu aus. T-Systems will zum größten deutschen Digitalanbieter aufsteigen, indem das Unternehmen das kundenspezifische Digitalgeschäft in einer neuen Einheit namens Digital Solutions bündelt.

Bosch dagegen fasst seine Software und Dienstleistungen für Produktion und Logistik unter dem Namen Nexeed zusammen. Im diesjährigen Messe-Partnerland Mexiko will Bosch bis 2019 in dem Ort Celaya für rund 100 Millionen Euro ein Elektrokomponentenwerk bauen.