Hannover - In Schweden säumen sie, rot angestrichen und mit weißen Fensterläden, viele Landstriche. Bei den Deutschen waren Holzhäuser dagegen in der Vergangenheit wenig beliebt. Nun entdecken Politiker die Holzbauten als Klimaretter und CO 2 -Speicher. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) forderte jüngst mehr Holzhäuser für die Republik – und das Land Niedersachsen will in diesen Tagen für das Bauen mit Holz bei einer Aktionswoche werben. Aber was taugen Holzhäuser eigentlich?

Sind Holzhäuser günstiger

als andere Häuser

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Gute Holzhäuser kosten so viel wie gute Massivhäuser“, sagt die Sachverständige für Holzbau der Industrie- und Handelskammer Ostwürttemberg, Barbara Hammes. Nur schlechte Holzhäuser seien billiger. Hochwertiges Holz ist laut niedersächsischem Forstministerium als Material zwar teurer. Dafür punkten Holzhäuser aber in Sachen Geschwindigkeit: Die Elemente seien vorgefertigt und könnten einfach zusammengesetzt werden. Holz müsse anders als Beton zudem nicht trocknen. Häuslebauer könnten so schneller ins neue Eigenheim einziehen .

Wie ist die Klima-Bilanz

von Häusern aus Holz

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„Konventionelle Baustoffe sind in der Herstellung und der Verarbeitung alle sehr ressourcen- und energieintensiv und damit klimaschädlich“, sagt eine Sprecherin des Forstministeriums. „Holz dagegen ist ein nachwachsender Rohstoff, der sogar als einziger Baustoff CO 2 während des Wachstums bindet und in der Verarbeitung vergleichsweise wenig Energie verbraucht.“ Untersuchungen zufolge könnten beim Neubau von Einfamilienhäusern aus Holz im Vergleich zu herkömmlichen Gebäuden bis zu 56 Prozent Treibhausgas eingespart werden, bei Mehrfamilienhäusern bis zu 48 Prozent. Für Jörg Bühler, Leiter Fachberatungen des Informationsdiensts Holz, ist der Holzbau eine „unbedingte Antwort auf den Klimawandel“.

Hammes betont, dass die Holzbauteile nach dem Abriss eines Hauses wiederverwertet werden könnten: „Das geht bei Massivbauten nicht.“ Der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, Johannes Kreißig, betont jedoch, dass es auch mit einem Massivbau möglich sei, klimaneutral zu bauen.

Halten die Holzhäuser

im Winter warm

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Holzwände sind zwar dünner als die aus Stein oder Beton. Hochwertige Holzwände und Dämmungen mit Holz halten die Kälte dennoch ab – denn das Material an sich ist ein Wärmedämmstoff. Kreißig betont, dass es aber vor allem um die Qualität des Wärmeschutzes am Bauwerk geht: Dies sei „wichtiger als die Wahl des einen oder anderen Baustoffs.“

Was sind die Nachteile


von Häusern aus Holz

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„Jedes Material hat einen Schwachpunkt“, sagt Hammes von der IHK. „Bei Holzbaustoffen ist das vor allem die Feuchteempfindlichkeit.“ Die Bauten seien auch anfälliger für Schädlinge. In Sachen Schimmel haben sie Hammes zufolge dagegen die Nase vorn: Massive Baustoffe seien eher in Gefahr, von Schimmelpilzen befallen zu werden.

Gibt es hierzulande

einen Holzhaustrend

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Den gibt es – Holzhäuser werden immer beliebter. In Niedersachsen wurden im vergangenen Jahr 1558 Häuser aus Holz gebaut – damit liegt ihr Anteil an Neubauten bei 10,6 Prozent. Das ist immerhin ein Prozentpunkt mehr als im Jahr zuvor, wie das Forstministerium unter Berufung auf das Statistische Bundesamt mitteilt. Die Zahlen steigen Jahr für Jahr – langsam, aber kontinuierlich. Im bundesweiten Vergleich ist Niedersachsen aber eher Schlusslicht: In Deutschland sind 17,8 Prozent der Neubauten inzwischen aus Holz, in Baden-Württemberg sogar fast 30 Proz ent.

Was tut die Politik in

Bund und Ländern

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Die Bauminister der Länder wollen die Hürden für den Bau mit Holz senken, wie sie am Freitag auf einer Konferenz in Schleswig-Holstein beschlossen haben. Holz soll nach ihrem Willen künftig häufiger als Träger und für Fassaden benutzt werden. Dafür soll die sogenannte Musterbauordnung dahingehend angepasst werden, dass Holz als Baustoff bis zur „Hochhausgrenze“ von 21 Metern eingesetzt werden kann. Bislang ist bei 13 Metern Gebäudehöhe Schluss.