Hannover - In Niedersachsen werden immer weniger Häuser, Wohnungen und Grundstücke zwangsversteigert. Wie aus Daten des Justizministeriums in Hannover hervorgeht, ist die Zahl der Zwangsauktionen von 3794 im Jahr 2016 auf 2930 im Jahr 2018 zurückgegangen. Das entspricht einem Minus von knapp 23 Prozent. Im ersten Quartal 2019 wurden 783 Versteigerungen erfasst.
Auch am Amtsgericht Hannover sind die Zahlen deutlich gesunken. Im Jahr 2018 habe es nur 185 Verfahrenseingänge wegen Zwangsversteigerung gegeben, im Jahr 2010 seien es noch fast drei Mal so viele gewesen. Und in nicht einmal jedem zweiten Verfahren komme es überhaupt zum Versteigerungstermin, sagt Catharina Erps.
„Die Nachfrage auf dem freien Markt ist groß, Immobilien werden deutlich über Nennwert verkauft“, erklärt die Richterin am Amtsgericht. Eine Versteigerung sei in vielen Fällen wirtschaftlich einfach nicht mehr sinnvoll. „Die Schnäppchenjäger bleiben weg, weil klar ist, dass sie die Immobilien nicht mehr zu 80 Prozent des Nennwerts bekommen.“
Wie stark die Preise auf dem freien Markt gestiegen sind, belegt der jüngst vorgestellte Wohnungsmarktbericht für Niedersachsen.
Wer eine Eigentumswohnung kaufen wollte, musste demnach im Jahr 2018 ganze 68 Prozent mehr bezahlen als acht Jahre zuvor. Die Kaufpreise für ein gebrauchtes Ein- oder Zweifamilienhaus stiegen im selben Zeitraum um 54 Prozent.
Entsprechend groß ist der Andrang auf die wenigen verbliebenen Versteigerungen. 50 bis 60 Teilnehmer seien bei den Terminen keine Seltenheit, sagt Erps.
Besonders beliebt seien Mehrfamilienhäuser. Zu Zwangsversteigerungen kommt es meistens, wenn die Eigentümer in eine finanzielle Notlage geraten sind und Haus und Grundstück nicht mehr bezahlen können. Dann leitet der Gläubiger – in der Regel die Bank – ein Verfahren zur Zwangsversteigerung beim Amtsgericht ein. Der Mindestpreis für die Immobilie wird auf der Grundlage eines Wertgutachtens festgelegt.
Bundesweit wird dieses Verfahren allerdings immer seltener. Nach Angaben des Fachverlags Argetra sind im vergangenen Jahr in Deutschland 18 449 Immobilien mit einem Verkehrswert von insgesamt 3,85 Milliarden Euro unter den Hammer gekommen. 2017 seien es noch 25 740 Häuser, Wohnungen oder Grundstücke mit einem Wert von 4,23 Milliarden Euro gewesen.
