HANNOVER - Bundes­kanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht die deutsche Industrie trotz rückläufiger Bestellungen zu Beginn des Jahres auf einem guten Weg. „Insgesamt fällt die Hannover Messe in eine Zeit, in der es Deutschland recht gut geht“, sagte sie am Sonntag vor der Eröffnung der weltgrößten Industrieschau in Hannover. Sie habe „wenig Sorge“, dass sich deutsche Güter schlechter verkaufen könnten. Sowohl die Exportstärke als auch die Binnenkonjunktur zeigten dies. Zugleich mahnte Merkel die Unternehmen, in ihrer Innovationskraft nicht nachzulassen: „Aber wir wissen: Wir müssen dranbleiben“, sagte sie. Gerade der Aufstieg des Messe-Partnerlands China zeige, dass der internationale Wettbewerb stark sei.

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao erteilte Sorgen über eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums seines Landes eine Absage. „Chinas Industrialisierung wird sich noch lange schnell entwickeln“, sagte der Politiker am Sonntag in Hannover. Die Produkte aus China stünden immer noch im unteren Mittelfeld der weltweiten Erzeugungskette, sagte der Regierungschef. China aber wolle weiter aufholen, erklärte Wen Jiabao.

Merkel eröffnete die Messe gemeinsam mit dem chinesischen Ministerpräsident.

Dieser hatte am Sonntagnachmittag zunächst die SPD-Altkanzler Gerhard Schröder und Helmut Schmidt in Hannover getroffen. Bei den Gesprächen sei es unter anderem um die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit gegangen. Auch die europäische Finanzkrise sei Thema gewesen, sagte ein Sprecher der niedersächsischen SPD auf Anfrage. An dem Gespräch hatten auch Niedersachsens SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil und der Fraktionsvorsitzende Stefan Schostok teilgenommen.

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China müsse ausgebaut werden, forderte anlässlich der Hannover Messe der Asien-Pazifik-Ausschusses (APA) der deutschen Wirtschaft. „China und Deutschland – das sind zwei Partner, die gemeinsam für bahnbrechende Innovationen stehen“, sagte der APA-Vorsitzende, Siemens-Chef Peter Löscher. Er sprach sich für konstruktive Lösungen zugunsten eines gut funktionierenden Weltrohstoffhandels und eines fairen Wettbewerbs auf allen Märkten aus.


Der neue China-Sprecher der Deutschen Wirtschaft, Martin Brudermüller, erwartet in den nächsten Jahren einen großen Innovationsschub aus China. Der Industrieverband BDI warb für mehr chinesische Investitionen in Deutschland.

Volkswagen betonte, man wolle in China schneller als der Automarkt insgesamt wachsen. Für Porsche wird China spätestens 2013 die USA als größter Markt überholen. Es gebe dort „außergewöhnliches Wachstum“.

Menschenrechtsorganisationen und Vertreter chinesischer Minderheiten haben am Sonntag vor der Eröffnung der Messe gegen die Politik der Führung in Peking protestiert. Rund 100 Teilnehmer, unter anderem von der Gesellschaft für bedrohte Völker und Amnesty International, versammelten sich nach Polizeiangaben am Congress Centrum,