HANNOVER - Geduckter Körper, verschränkte Arme, leise Stimme Johann Ehmen bereitete die dreistündige Befragung im Untersuchungausschuss des Landtags ganz offensichtlich kein Vergnügen. Der Ingenieur der Jade-Port-Gesellschaft schilderte detailliert die Vorgänge, die aus seiner Sicht zur umstrittenen Vergabe des Bauauftrags an den Hochtief-Konzern geführt hatten. Ehmen berichtete, dass der psychische Druck so stark gewesen sei, dass er einen Arzt habe aufsuchen müssen. Das war mein schwerstes Berufsjahr. Alle Parteien waren sich nach der nachher einig: Er ist ein glaubwürdiger Zeuge.
Koalition und Opposition deuten die Aussagen des Vergabteam-Mitglieds allerdings unterschiedlich. CDU und FDP sehen vor allem Bremen und dessen Jade-Port-Geschäftsführer Jürgen Holtermann belastet. Für die Opposition besteht dagegen kein Zweifel, dass die Hauptverantwortlichen des Hafen-Krimis in Niedersachsen zu finden sind: Wirtschafts-Staatssekretär Joachim Werren und der Stabsstellen-Leiter im Ministerium, Joachim Erdmann.
Laut Ehmen deutete noch zu Beginn dieses Jahres alles darauf hin, dass die Papenburger Bunte-Gruppe den Zuschlag für den Bau des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven erhält. Im Frühjahr habe es eine erdrutschartige Bewegung gegeben. Auch Werren sei umgefallen. Der Hochtief-Konzern sollte plötzlich den Auftrag bekommen. Gegen die Entscheidung des Vergabeteams. Ehmen verweigerte seine Unterschrift. Das Angebot von Hochtief sei fehlerhaft und deshalb nicht zuschlagsfähig gewesen. Ein Gericht hat deswegen inzwischen die Vergabe annulliert.
Ehmen berichtete von Drohungen in der Folgezeit. Erdmann habe ihn drei Mal zusammengefaltet. Nach seinen Aussagen ist die Entscheidung für Hochtief auf Staatssekretärs-Ebene zwischen Niedersachsen und Bremen getroffen worden. Er und seine Kollegen hätten den Verdacht gehabt, dass das nicht ganz sauber gelaufen sei. Erdmann ist inzwischen im Ministerium versetzt worden.
Bunte-Geschäftsführer Manfred Wendt sagte, Bremen habe Einfluss auf das Bieterverfahren genommen und sich gegen Niedersachsen durchgesetzt. Die Opposition sieht den Verdacht der politischen Einflussnahme bestätigt und fordert eine Erklärung von Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP).
