HANNOVER/KöLN - Vor dem Hintergrund der massenhaften Austauschaktion deutscher Kreditkartenorganisationen wachsen die Sorgen bei vielen Verbrauchern. Ist das Bezahlen mit der Kreditkarte noch sicher? Gibt es Schutz gegen den um sich greifenden Datenklau?
Kein Schaden im Land
„Immer häufiger versuchen Täter, an Daten heranzukommen“, sagt Frank Federau, Sprecher beim Landeskriminalamt (LKA) Niedersachen. Panikmache sei dennoch nicht angebracht. Im jüngsten Fall, der offenbar durch einen Datendiebstahl bei einem spanischen Abrechnungsdienstleister verursacht wurde, habe es zumindest für Niedersachsen bislang noch keine Schadensmeldungen gegeben, so Federau. Wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) am Donnerstag mitteilte, sei der Austausch von hunderttausenden Kreditkarten mittlerweile weitgehend abgeschlossen.
Allerdings sei erhöhte Aufmerksamkeit angebracht. „Die Datendiebe werden immer professioneller“, meint Hugo Godschalk, Geschäftsführer der auf Kartensysteme spezialisierten Unternehmensberatung PaySys. Er erwartet, dass sich der unter anderem durch Datenklau entstehende Schaden in Deutschland im Vergleich zu 2007 in 2009 auf 155 Millionen Euro verdoppeln wird.
Besonders weit verbreitet ist das „Skimming“, das Ausspähen von Kartendaten am Geldautomaten. In diesem Jahr habe es allein in Niedersachsen schon 139 Fälle an 74 Tatorten gegeben, so LKA-Sprecher Federau. Das seien etwa genauso viele wie im Vorjahr, nachdem es 2008 einen kräftigen Anstieg gegeben hatte.
Zwar würden die Geldinstitute ihre Sicherheitsvorkehrungen mit Überwachungskameras oder Anti-Skimming-Software stetig verbessern. Doch auch die Täter verfeinerten ihre Methoden, die an den Automaten angebrachten Attrappen seien häufig schwer zu erkennen. „Es ist ein ständiger Wettlauf zwischen Geldinstituten und Tätern“, sagt Federau.
Sind Täter und Tatmedium beim Skimming noch greifbar, erschwert die Verlagerung der Kartenkriminalität ins Internet die Möglichkeit der Ermittler noch weiter. Die Aufklärungsquote liege hier häufig nur bei einem Drittel der Fälle, so das LKA Nordrhein-Westfalen.
Zwar hinterließen viele Täter auch bei solchen „Distanzdelikten“ Spuren. Es sei allerdings nicht immer leicht, diese zu erkennen, zu sichern und die Täter dann auch zu fassen, da sie häufig im Ausland säßen, so Federau. Auch aus diesem Grund hat das LKA Niedersachsen seit August dieses Jahres ein neues Dezernat mit mehr als 20 Beamten eingerichtet, das sich ganz dem Thema Internetkriminalität widme.
Auch die Kreditkartenbetreiber selbst versuchen, sich dem kriminellen Trend durch neue Sicherheitsvorkehrungen entgegenzustellen. So sollen etwa ab Ende 2011 alle Kreditkarten statt Magnetkarten sogenannte EMV-Chips tragen, die ein Kopieren von Daten unmöglich machten, so Mastercard-Sprecher Thorsten Klein.
Geringe Sicherheitsdefizite
Vor einer Verteufelung der Kreditkarte warnen denn auch viele Experten. „Die Sicherheitsdefizite sind sehr gering“, sagt Dr. Kai Hudetz, Bereichsleiter für E-Commerce bei der Forschungs- und Beratungsinitiative ECC Handel an der Universität Köln. Neben den großen und etablierten Händlern im Internet würden auch immer mehr kleinere Onlinehäuser ihre Bezahlvorgänge mit Gütesiegeln, wie „Trusted Shops“, zertifizieren lassen.
Wer sich dennoch unsicher sei, habe alternativ auch fast überall andere Bezahlmöglichkeiten, etwa auf Rechnung oder per Nachname. Ohnehin würden nur rund 20 Prozent der Online-Käufe in Deutschland per Kreditkarte abgewickelt, so der Experte, weltweit liege der Anteil bei über 70 Prozent. „Das Risiko für den Händler, vom Kunden betrogen zu werden ist ungleich größer als umgekehrt“, sagt Hudetz.
21 Millionen Karten
Fürs bargeldlose
Bezahlen beim Einkauf sind Kreditkarten inzwischen weit verbreitet. In Deutschland sind nach Angaben der Bundesbank gut 21 Millionen Plastikkärtchen mit und ohne Kreditfunktion im Umlauf. Im vergangenen Jahr wurden damit laut Branchenstatistiken rund 34 Milliarden Euro umgesetzt. Die größten Anbieter sind Mastercard, Visa, American Express und Diners Club.21 Millionen Karten
