HANNOVER - Der hannoversche Pipeline-Hersteller Vietz steht im Verdacht, Schmiergelder gezahlt zu haben, um an Aufträge zu kommen. Fahnder durchsuchten am Donnerstag die Firmenräume des Mittelständlers in Hannover, Leipzig und Essen. Sie beschlagnahmten Computer und umfangreiches Aktenmaterial, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe am Freitag. Die Auswertung des Materials werde Monate dauern.

Mit einem Interview im „Handelsblatt“ hatte sich Unternehmer Eginhard Vietz selbst ins Visier der Fahnder gebracht. Er hatte darin zugegeben, schon mehrfach Schmiergelder gezahlt zu haben. Auf die Frage, warum er das tue, sagte er der Zeitung: „Weil es nun einmal Länder gibt, in denen es nicht anders geht.“ Vietz war am Freitag für eine weitere Reaktion nicht zu erreichen.

Die Schilderungen des 69-jährigen Unternehmers seien so detailliert gewesen, dass die Staatsanwaltschaft daraufhin handeln musste, sagte Sprecher Knothe. Ermittelt wird nun wegen des Verdachts der Bestechung. Bei besonders schweren Fällen sieht das Strafgesetzbuch hier eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren vor.

Vietz hatte im „Handelsblatt“ unter anderem erklärt, er habe kein schlechtes Gewissen wegen der Schmiergeldzahlungen. Diese Praxis sei gang und gebe. „Niemand hat einen Nachteil aus dem, was ich tue“, sagte der Mittelständler. Er begründete sein Verhalten auch mit der Verantwortung für die Arbeitsplätze in seinem Unternehmen. Nach der Durchsuchung in seinen Firmenräumen und seinem Privathaus sagte der Unternehmer der Zeitung: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, die Welt ist eben so, wie sie ist.“

Vietz begleitete im Februar den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff bei einer Delegationsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate. 2009 war er mit dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Abu Dhabi und Saudi-Arabien unterwegs.