HANNOVER - HANNOVER - Grundsätzlich käme es für die führenden privaten Krankenhausbetreiber in Deutschland durchaus in Frage, eines oder mehrere der niedersächsischen Landeskrankenhäuser zu übernehmen. Die Rhön-Klinikum AG hat sogar schon konkretes Interesse bekundet. Das Land will sich – wie berichtet – von seinen Landeskrankenhäusern, darunter das in Wehnen bei Oldenburg, trennen.
Dass es sich dabei um psychiatrisch Kliniken handelt, die zum Teil auch Abteilungen für den Maßregelvollzug haben, ist kein Hinderungsgrund für die Unternehmen. „Wir haben schon vier Psychiatrien, davon eine mit Maßregelvollzug“, sagt Gerald Meder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG. „Wenn es eine offizielle Ausschreibung gibt, werden wir uns sicher beteiligen.“ Auch der Klinikbetreiber Asklepios hat bereits eine Psychiatrie mit Maßregelvollzug übernommen. Der Geschäftsführer Elmar Willebrand sieht auch bei den Landeskrankenhäusern Verkaufspotenzial. Aber: „Psychiatrien sind sicher anders zu beurteilen als normale Krankenhäuser und eignen sich nicht für jeden“, hält er den Einstieg von unerfahrenen Investoren für aussichtslos. Dafür wären Erfahrung, Logistik und Know-How nötig. Asklepios betreibt 95 Kliniken und hat im Januar dieses Jahres die acht Krankenhäuser des Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK) Hamburg übernommen. Auch der große Klinikbetreiber Helios hat schon mehrere Psychiatrien und keine Berührungsängste, so die Auskunft von Ulrike Nebel, Mitarbeiterin in der Akquise.
Bisher noch nicht aktiv in dem Bereich sind die Klinikbetreiber Marseille und Sana. Marseille-Sprecher Matthias Soyka sagt dazu: „Das ist etwas, was wir uns immer wieder überlegen, und wir haben uns auch schon um das eine oder andere Haus bemüht.“ Auch Ralf Paland, Mitarbeiter der Sana Kliniken im Privatisierungsbereich, könnte sich das grundsätzlich
vorstellen.
Nach Aussagen der Sprecher sind wichtige Strategien, um unrentable Einrichtungen in die schwarzen Zahlen zu bringen, technische und bauliche Investitionen, weniger Personal im Service-Bereich, wie Küche und Wäscherei, dafür unter Umständen mehr medizinisches Personal, Outsourcing der Service-Bereiche. Außerdem gebe es mit einem Geschäftsführer schnellere Entscheidungen. Dazu kommen Synergie-Effekte, beispielsweise wenn sich die Häuser einer Kette eine Wäscherei teilen. Alle diese Sanierungsrezepte seien auch auf Niedersachsens Landeskrankenhäuser anwendbar.
