Hannover - Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) macht sich für eine Fristverlängerung bei der betäubungslosen Kastration von Ferkeln stark. Diese sollte eigentlich am Jahresende Geschichte sein. Doch „wegen der zu erwartenden Strukturbrüche sollte die Inkraftsetzung des Verbotes der betäubungslosen Kastration verschoben werden“, sagte eine Ministeriumssprecherin unserer Redaktion. Otte-Kinast wirbt dafür, einen entsprechenden Bundesratsvorstoß Bayerns zu unterstützen.

Da Eber in der Mast schwierige Tiere seien und das Fleisch einiger „Stinker“ durch den penetranten Ebergeruch kaum vermarktbar ist, werden Jungtiere oft kastriert. Schon lange ist klar, dass diese Praxis zum Jahresende 2018 verboten wird. Doch getan hat sich in den vergangenen Jahren wenig – die Alternativen sind aus Sicht des Ministeriums noch immer nicht ausreichend erforscht. Otte-Kinast spricht sich für den „skandinavischen“ oder „vierten“ Weg aus, bei dem die Kastration unter lokaler Anästhesie vorgenommen wird. Doch auch dort gibt es noch offene Gesetzesänderungen, Fragezeichen und laufende Studien. So läuft derzeit ein Pilotprojekt der Uni München und des Schweinegesundheitsdienstes Niedersachsen, in dem mögliche Kastrationsmittel geprüft werden.

Voraussichtlich am 14. August soll das Landeskabinett seine Haltung im Bundesrat besprechen. Otte-Kinast setzt dabei darauf, dass SPD-Ministerpräsident Stephan Weil den Vorstoß unterstützt: „Ich hoffe sehr, dass wir dieses Thema zusammen nach vorne bringen können. Ein Votum Niedersachsens hätte eine bundesweite Signalwirkung“, sagte Otte-Kinast mit Blick auf andere SPD-regierte Bundesländer.

Kommt es in den nächsten fünf Monaten zu keiner Einigung, fürchtet die Ministerin einen Strukturbruch für den Schweinestandort Niedersachsen. Bereits in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Sauenhalter im Land laut Ministerium um 8424 auf derzeit noch 1900 Betriebe abgestürzt. „Die Sauenhalter brauchen endlich Planungssicherheit“, sagte Otte-Kinast.