Hannover - Den deutlichen Appell, „endlich verlässliche und vor allem praktikable Vorgaben für die Tierhaltung zu machen“, hat der ehemalige niedersächsische SPD-Landwirtschaftsminister Uwe Bartels an die Politik auf Bundes- und Landesebene gerichtet. „Bei uns stehen sich beispielsweise Umwelt- und Baurecht häufig im Weg. Das führt bei den Landwirten zu Stillstand und Frust bis hin zu Betriebsaufgaben“, sagte der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland am Donnerstagabend beim Parlamentarischen Messeabend des Verbundes Oldenburger Münsterland auf der Nutztiermesse Eurotier. Noch bis einschließlich diesen Freitag präsentieren 2600 Firmen in Hannover Neuheiten der Nutztierhaltung.

Der eigentlich direkt an Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) gerichteten Kritik entgegnete Rainer Beckedorf, Staatssekretär im Agrarministerium, für die erkrankte Ministerin: „Wer zu strikte gesetzliche Regelungen in Deutschland beklagt, dem sei gesagt, dass die Situation in anderen europäischen Ländern nicht anders ist.“

Gleichzeitig kündigte Beckedorf mit Blick auf das Düngerecht an, dass der Nährstoffanfall insbesondere auch in Regionen der Intensivtierhaltung wie dem Oldenburger Münsterland künftig mit Meldepflichten und der Ausweisung von Risikogebieten stärker überwacht werde. „Das entlastet alle, die korrekt arbeiten, und wird zu deutlichen Verbesserungen bei der Boden-, Gewässer- und Luftqualität führen“, betonte er.

Gastredner Professor Lars Schrader, Leiter des Instituts für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Loeffler-Instituts in Celle, ging in seinem Vortrag auf die künftige Schweinehaltung ein und betonte: „Der Stall der Zukunft muss gesellschaftliche Akzeptanz erlangen, indem er die Ansprüche der Tiere besser erfüllt.“ Hierfür müsse die Haltung in Funktionsbereiche strukturiert sein, die durch verschiedene Bodenqualitäten und Klimazonen gekennzeichnet seien und den Tieren ausreichend Beschäftigung böten: Schraders Vision sind Wohlfühl-Ställe für intelligente Tiere. Die Herausforderung sei aber, Tierwohl, Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit unter einen Hut zu bringen. Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg, Präsident des Verbundes Oldenburger Münsterland, regte die mehr als 260 Gäste im Saal nach diesem Impuls zu angeregten Diskussionen an.

Der Parlamentarische Messeabend des Oldenburger Münsterlandes wird seit 2006 im Rahmen der Eurotier vom Verbund in Zusammenarbeit mit dem Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland veranstaltet. Der 1995 gegründete Verbund Oldenburger Münsterland ist die Interessenvertretung der Landkreise Cloppenburg und Vechta.