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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Mit Blühstreifen gegen Insektensterben

23.05.2018

Hannover Den Weltuntergang beschwört Olaf Lies (SPD) nicht. Aber Niedersachsens Umweltminister wählt schon dramatische Worte: „Das Insektensterben ist in vollem Gang. In den vergangenen 20 Jahren hat sich ihre Zahl drastisch reduziert. Mittlerweile gelten mehr als die Hälfte der fast 600 Wildbienenarten als gefährdet.“ Und die Zukunft sieht düster aus. Jeden Tag gehen in Niedersachsen fast zehn Hektar des Lebensraums dieser Tiere durch Versiegelung verloren.

Doch Lies will mit einem „Aktionsprogramm“ für Artenvielfalt kämpfen. Im Mittelpunkt stehen Blühstreifen an Feldern und Wegen, aber auch in Parks und privaten Gärten. Ein gigantisches Projekt. Gelingt es tatsächlich, verloren gegangene Wegeraine zurückzugewinnen, dann hätten Insekten bald in Niedersachsen eine größere Fläche an Blühstreifen als alle Schutzgebiete zusammen ausmachen.

Lesen Sie auch die Reportage: Bleiben die Bienen bald stumm?

In jedem Fall will Umweltminister Lies dem „Mähwahn“ ein Ende setzen, erst recht unermüdlich arbeiteten Mährobotern. „Weniger ist mehr“, wirbt Lies dafür, in Gärten einfach auch mal einige Flächen stehen zu lassen. „Ein perfekter Garten“ lebe nicht nur von einem „perfekten Rasen“. Insekten Wohn- und Nistplatz, Schutz und Rückzugsräume zu bieten, das werte Gärten noch mehr auf, ist der Umweltminister überzeugt. Das gleiche gelte für Straßenränder oder Verkehrsinseln.

In Deutschland leben mehr als 30 000 Insektenarten, das sind etwa 70 Prozent der Artenvielfalt. Insekten sind dabei von zentraler Bedeutung für die Ökosysteme. Rund 85 Prozent der 2000 bis 3000 heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Schmetterlinge, Fliegen und Wildbienen als Bestäuber angewiesen.

Lies ist überzeugt, dass der dramatische Rückgang an Biomasse „noch gestoppt werden kann“. Ganz oben setzt der Umweltminister dabei ein Verbot des populären Unkrautvernichters Glyphosat. „Wir dürfen nicht länger die Augen verschließen: Insekten verlieren dadurch Lebensraum und Nahrungsquellen. Der Einsatz von Pestiziden muss reduziert werden. Glyphosat wollen wir nicht mehr – und brauchen es auch nicht“, macht sich Lies für ein sofortiges und umfassendes Verbot stark.

Empört mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen, davon hält der Umweltminister nichts. „Das hilft überhaupt nicht“, betont Lies. Die Realität sei nun einmal von immer größeren Betrieben und Monokulturen bestimmt. „Wir müssen mit intelligenten Mitteln, aber auch mit finanziellen Hilfen, die Landwirtschaft darin unterstützen, einen Beitrag zur Artenvielfalt zu leisten“, fordert Lies eine umfassende Zusammenarbeit mit den Bauern ein.

Der Umweltminister will keine Zeit verlieren. Spätestens im Herbst soll die Kampagne gegen das Insektensterben starten und im nächsten Frühjahr fortgeführt werden. Begleitend dazu plant Lies ein „Monitoring“, um zu genau festzustellen, welche Maßnahmen wie greifen.

Gunars Reichenbachs
Chefkorrespondent
Redaktion Hannover
Tel:
0511/1612315

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SPD | dpa

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