Hannover - Wegen des Warnstreiks im Öffentlichen Dienst mussten Tausende Pendler in Niedersachsen am Donnerstag viel Geduld mitbringen. Die Busse und Bahnen standen in Hannover, Braunschweig und Wolfsburg still. „Die Situation war noch viel schlimmer als beim letzten Üstra-Streik vor einigen Wochen“, sagte ein Mitarbeiter.

Weil gerade Abiturprüfungen stattfanden, erlaubte das Kultusministerium den Schulen die Prüfungen bis zu 1,5 Stunden später starten zu lassen. Bei der Gewerkschaft „Verdi“, die zum Streik gerufen hatte, haben sich etliche Abiturienten beschwert, teilte ein „Verdi“-Sprecher mit. In Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, Osnabrück, Peine, Salzgitter und Einbeck blieben die meisten Kitas zu. Müllentsorger und Stadtreiniger arbeiteten ebenfalls nicht.

Gestreikt haben auch einige Klinikum-Angestellte. Dort kümmerten sich Ärzte und Pfleger nur um Notfälle und um Patienten, die bereits in den Krankenhäusern liegen. Auch Stadtwerksmitarbeiter und Personal von Jugend- und Jobzentren sowie Stadtbibliotheken und Sparkassen arbeiteten nicht.

„Verdi“ ruft Angestellte seit Tagen bundesweit auf, ihre Arbeit niederzulegen, um vor der neuen Tarifrunde am kommenden Sonntag und Montag Druck auf ihre Arbeitgeber auszuüben. Die Gewerkschafter fordern sechs Prozent mehr Lohn, dass Auszubildende unbefristet übernommen werden und dass Krankenhausangestellte mehr Geld für Nachtarbeit erhalten. „Verdi“ drohte weitere Streiks an.

Bis zum Mittag fanden sich 10 000 Streikende auf dem Opernhausplatz in Hannover ein. „Verdi“-Chef Frank Bsirske forderte, dass Arbeitgeber besonders jungen Fachkräften bessere Perspektiven bieten sollten. „Es sind goldene Zeiten für die deutsche Wirtschaft“, sagte Bsirske. „Aber an dieser Festtagsstimmung sollen alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer teilhaben.“