HANNOVER/OLDENBURG - Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) hat Forderungen nach Abschaffung der Studiengebühren eine klare Absage erteilt – und zugleich ein Stipendien-Programm angekündigt.
„In Deutschland ist es trotz jahrzehntelanger Gebührenfreiheit nicht gelungen, die bildungsfernen Schichten zu erreichen“, sagte Stratmann im Gespräch. Es sei kein Zufall, dass in anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien trotz weit höherer Studienbeiträge mehr junge Menschen ein Studium beginnen. „Diese Länder unternehmen große Anstrengungen mit Hilfe von Stipendienmodellen. Damit wollen auch wir in Niedersachsen beginnen.“
Laut Stratmann wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Ministeriums sowie der Landeshochschulkonferenz gegründet, die den Auftrag habe, ein Stipendienmodell zu entwickeln. „In diesem Zusammenhang ist der Staat, aber auch die Wirtschaft gefragt, Mittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der in Oldenburg ansässige Minister. Einzelheiten wollte er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht nennen. Die Hochschulen appellieren seit langem an die Wirtschaft, verstärkt Förderprogramme zur finanziellen Unterstützung talentierter Studienanfänger aufzulegen.
Die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag hat einen Gesetzentwurf zur Abschaffung der Studiengebühren in Niedersachsen vorgelegt, der in dieser Woche im Plenum beraten werden soll. Nach Meinung der Opposition sorgen auch die Gebühren dafür, dass Studenten aus Niedersachsen in benachbarte Bundesländer abwandern.
Stratmann sieht hier keinen Zusammenhang. „Wir hatten einen landesweiten Anstieg der Studienanfängerzahlen von neun Prozent – das ist fast doppelt so viel wie im Bundesdurchschnitt und mehr als beispielsweise in Rheinland-Pfalz, wo keine Beiträge erhoben werden“, sagte der Minister.
Allerdings müssten Hochschulen und Wirtschaft zukünftig größere Anstrengungen unternehmen, zum Beispiel auch berufsbegleitende Weiterbildungs-Studiengänge anzubieten, erklärte Stratmann.
