HANNOVER/OLDENBURG - Busse und Sonderzüge standen nach dem Abschlussgottesdienst bereit. Die Besucher reisten geschlaucht, aber zufrieden zurück.

von marco seng,

redaktion hannover

HANNOVER/OLDENBURG - Die meisten gehen so schnell wie sie gekommen sind. Kaum ist gegen Mittag das letzte Gebet beim Abschlussgottesdienst auf dem Schützenplatz gesprochen, ist der letzte Segen erteilt, machen sich zehntausende Kirchentags-Besucher auf dem Weg in die Heimat. Dutzende Busse und etliche Sonderzüge stehen bereit. Wie ein riesiger Lindwurm ziehen die Massen durch die City. Am Hauptbahnhof ist das Gedränge so groß, dass selbst erfahrene Schaffner den Überblick verlieren.

An Gleis 11 hält die Evangelische Jugend Wilhelmshaven Ausschau nach einem Zug in den Nordwesten. „Moderne Gottesdienste sind Klasse“, schwärmt Thorsten Schelling von der Abschlussveranstaltung. Warum? Weil er Trommeln lieber möge als Orgeln, erklärt der 17-Jährige. Linda Meinke (18) kann da nur beipflichten. „Der Kirchentag war ein tolles Erlebnis.“ Es sei ihr zweiter gewesen, einen dritten werde es sicher geben. Sie würde gerne noch mehr erzählen, doch der Regionalexpress nach Norddeich fährt bereits ein. Linda, Thorsten und ihre rund 20 Mitstreiter aus Wilhelmshaven schultern die Rucksäcke. Der Kirchentag ist beendet, die Erinnerung wird bleiben.

Nur eine paar Meter weiter warten Monika Holz und ihre drei Freundinnen. „Friedlich, freundlich, vielseitig“, lautet das Fazit der Frauen aus dem ostfriesischen Hage. Nur eins hat Holz gestört: „Dass wir bei den guten Veranstaltungen so lange anstehen mussten.“ In der Hitze der Großstadt eine gewaltige Strapaze. Denis Barthel aus Varel ist Kirchentagsprofi. Seit 1997 hat er keinen ausgelassen. Barthel kümmert sich regelmäßig um Konfirmierte aus Leipzig, seiner Heimatstadt. Ihn freut besonders, dass das Protestantentreffen von Mal zu Mal mehr Angebote für Kinder und Jugendliche bietet. Ein letzter Blick zurück, dann schließen sich die Türen und der Zug rollt pünktlich los.


Nicht jeder hat im Trubel des Abschlusstages so viel Glück. Reisende aus dem Rheinland warten stundenlang auf ihren Sonderzug. Eifrige Helfer lindern mit einigen Kisten Wasser den schlimmsten Durst. Der ICE, der Karsten Peuster nach Oldenburg bringen soll, kommt nicht. Der Landesjugendpfarrer nimmt‘s gelassen, lässt den Kirchentag mit einem Cappucino in der Sonne ausklingen. Für Peuster war es eine „rundherum gelungene Veranstaltung“. Von der er allerdings wenig gesehen hat. Als Sprecher des „Zentrums Jugend“ auf dem Messegelände war er stark eingebunden. Den Abschlussgottesdienst hat sich Peuster indes nicht entgehen lassen.

Janna Elster und Lena Bogena aus Leer hatten da schon mehr Zeit, die Vielfalt des Kirchentages auf sich wirken zu lassen. Das „Erzählzelt“ und der „Raum der Stille“ haben den 14-Jährigen besonders gut gefallen. „Für mich waren auch die Gottesdienste spannend“, erzählt Janna. Fünf Tage lang haben die beiden bei einer Tante in Alfeld bei Hannover gewohnt. Jetzt machen sie sich auf den Heimweg – geschlaucht, aber glücklich. Sven vom Stein aus Oldenburg wird vor allem die tolle Stimmung bei den Konzerten vermissen. „So viel Freundlichkeit erlebt man sonst nie“, meint der 22-Jährige. Viel Winken zum Abschied. Als der letzte Bus gefahren ist, wird es ruhig in der Stadt. Der Kirchentag ist Geschichte.