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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Landwirtschaft Und Umwelt: Niedersächsischer Weg soll es richten

20.07.2020

Hannover /Oldenburg Während in Europa heftig über Maßnahmen zum Schutz der Umwelt gestritten wird (siehe Text unten), versucht man es in Niedersachsen mit einem anderen Weg: dem „Niedersächsischen Weg“. Eine Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutzverbänden und Politik wurde kürzlich abgeschlossen – symbolträchtig mit sieben Unterschriften auf einem Blühstreifen eines Feldes einer Bauernfamilie in der Nähe von Hannover, aber im Schatten der Corona-Pandemie kaum wahrgenommen und beachtet.

Geld für Leistungen

Bundesweit einmalig sei die Vereinbarung, betonen die Vereinbarungspartner. Sie verpflichten die Akteure, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. Die Politik sichert den Landwirten zu, dass die geforderten Leistungen auch honoriert werden. Die gesellschaftlichen Erwartungen an die Landwirtschaft im Hinblick auf Arten-, Natur- und Tierschutz seien hoch, heißt es. „Der Niedersächsische Weg“ will hierfür der Baustein für einen breiten Gesellschaftsvertrag sein. Vereinbart wurde ein umfassendes Arbeitspaket:  Auf breiteren Gewässerrandstreifen darf nicht gedüngt und es darf auch kein Pflanzenschutz aufgebracht werden.  Chemischer Pflanzenschutz soll reduziert und neue Spritztechnik eingesetzt werden.  Auf 15 Prozent der Landesfläche sollen Biotopverbünde entstehen.  Es sollen mehr Landschaftselemente wie Hecken, Baumreihen oder Alleen angelegt werden.  Bis Ende 2020 wird ein Aktionsprogramm Insektenvielfalt entwickelt.  Bis 2025 soll der Anteil des Ökolandbaus auf zehn Prozent wachsen.  In den Wäldern der Landesforsten sollen mehr Bäume angepflanzt werden, die über 100 Jahre alt werden.

Kurzfristig will die Niedersächsische Landesregierung für die Erhöhung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen 120 Millionen Euro bereitstellen. Sie will damit auch den Unterstützerverbänden des Volksbegehrens Artenvielfalt den Wind aus den Segeln nehmen.

Interessenausgleich

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) freute sich, dass es mit dem „Niedersächsischen Weg“ gelungen sei, „die unterschiedlichen Interessen in einen ausgewogenen und gegenseitig anerkannten Ausgleich zu bringen“. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hob hervor: „Diese Vereinbarung zeigt, dass die Landwirte Teil der Lösung sind. Sie wirtschaften mit und in der Natur, haben das Wissen und den Willen, sich für den Artenschutz einzusetzen. Mit dem ,Niedersächsischen Weg‘ gelingt es uns erstmals, eine berechtigte Forderung der Gesellschaft einzulösen, unsere Kulturlandschaft zu erhalten.“

Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke betonte: „Dieser ,Niedersächsische Weg‘ mag bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorrufen und mit Ängsten verbunden sein. Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir mit diesem ganz neuen Ansatz für unsere Betriebe zweifelsfrei den besseren Weg gewählt haben, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen. Zum einen, weil wir den weiteren Prozess jetzt aktiv mitgestalten können, zum anderen, weil die Politik uns zugesagt hat, dass zusätzliche Leistungen unserer Landwirte auch entsprechend bezahlt werden.“

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg als Vereinbarungspartner will die Landwirte bei der Anpassung ihrer Produktion mit ihrer ganzen Beratungskompetenz „mit aller Kraft unterstützen“, so Präsident Gerhard Schwetje. Zufrieden zeigten sich auch die Naturschutzverbände BUND und NABU. BUND-Vorsitzender Heiner Baumgarten sprach von einem „Meilenstein für den Natur- und Artenschutz in Niedersachsen“. NABU-Vorsitzender Holger Baumann forderte eine rasche Umsetzung der Maßnahmen. „Ziel muss sein, den Verlust an Lebensräumen und Arten auch tatsächlich zu stoppen.“

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Kritik von Ökobauern

Kritik gibt es allerdings auch. Die Ökobauern in Niedersachsen beklagen, dass sie bei der bisherigen Ausgestaltung nicht eingebunden waren, so die Landesvereinigung Ökologischer Landbau. Man unterstütze den Weg ausdrücklich, aber „die Landesregierung muss ihren Worten endlich Taten folgen lassen und den Ökolandbau gleichberechtigt neben den konventionellen Landbau stellen“, so Andreas Jessen, einer ihrer Vorsitzenden, und forderte künftige Mitbestimmung. Für die Grünen im Niedersächsischen Landtag sagte Fraktionsvize Christian Meyer, die jetzt geplanten Gesetzesänderungen seien „angesichts des großen Verlustes biologischer Vielfalt insbesondere in der Landwirtschaft überfällig“. Er forderte erheblich mehr finanzielle Mittel. Bei der Umsetzung von EU-Vorgaben etwa „hängt Niedersachsen hinterher“.

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