HANNOVER - HANNOVER/DPA - Die AOK Niedersachsen hat einen Geschäftsführer zu Recht wegen Korruptionsverdachts fristlos entlassen. Der Manager habe einen schwerwiegenden Pflichtverstoß begangen, urteilte das Arbeitsgericht Hannover am Dienstag. Die Klage des Mannes gegen die Kündigung wurde abgewiesen. Der für das Gebäudemanagement zuständige leitende Mitarbeiter hatte sich vom Baukonzern Hochtief im Mai 2004 zu einem Formel-1-Rennen nach Monaco einladen lassen. Hochtief hat unter anderem die AOK-Zentrale in Hannover gebaut.
Die AOK hatte die Kündigung mit dem „Verdacht auf begangene Straftaten und schwerwiegende Vertragsverletzungen im Vertrauensbereich des Arbeitgebers“ begründet. Der Manager war nach Ansicht des Gerichts verpflichtet, seinen Arbeitgeber über die Details der Reise mit Hochtief zu informieren. Das habe er nicht getan. Außerdem habe er im März dieses Jahres erklärt, die Kosten für die Reise ausgeglichen zu haben. Er habe sie aber noch nicht erstattet. In Anbetracht dieser Unregelmäßigkeiten und der besonderen Stellung als Manager für Beschaffung und Immobilien mit einer solchen Nähe zu einem Kunden hielt das Gericht die Kündigung für rechtens.
Bei der AOK Niedersachsen hatte zudem eine Affäre um umstrittene Bonuszahlungen an die damalige Vorstandsvorsitzende Christine Lüer für Wirbel gesorgt. Die Kassen-Chefin hatten im Februar ihren Stuhl räumen müssen. Ihre Klage gegen die fristlose Kündigung wird im März 2006 verhandelt.
