HANNOVER - Deutsche Verkehrsunternehmen haben angesichts von Engpässen im Eisenbahnnetz vor einem Kollaps des Systems gewarnt. Der Bund müsse seine Investitionen auf überlastete Strecken konzentrieren, forderten am Dienstag die im Netzbeirat der Deutschen Bahn zusammengeschlossenen Unternehmen.
Sie verlangten einen zügigen Ausbau der Bahn-Anbindung der norddeutschen Häfen, der Achse Fulda-Frankfurt-Basel sowie des Knotens Oberhausen mit Anschluss an die Niederlande. Ohne schnelle Investitionen in Norddeutschland drohe zwischen Hamburg und Hannover schon in wenigen Jahren Stillstand, sagte Netzbeiratssprecher Wolf Gorka in Hannover.
Um Engpässe zu beseitigen, müsse der Bund dauerhaft jährlich eine Milliarde Euro zusätzlich für den Bahnausbau bereitstellen und Prioritäten setzen, sagte Gorka. Sowohl der Güter- als auch der Personenverkehr wachse stark. Als Logistikdrehscheibe sei Deutschland auf ein leistungsfähiges Bahnnetz angewiesen.
„Investitionen werden nicht in erster Linie nach volks- und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten getätigt“, beklagte Gorka. In weniger drängende Projekte wie die Schnellfahrstrecke von Nürnberg nach Erfurt würden Milliardensummen gesteckt, die an anderer Stelle eher benötigt würden.
Die politisch motivierte Verteilung der Bundesmittel auf möglichst viele Projekte verstärke den Effekt der späten Wirkung von Investitionen noch. „Dem Bund fehlt eine Strategie, die sich strikt an den vorhandenen Engpässen und den kurzfristig erforderlichen Kapazitäten orientiert“, sagte Gorka. „Und wir brauchen eine Konzentration auf wenige besonders effiziente Projekte, die dann schnell realisiert werden können.“
Mehr Infos unter www.vdv.de
