Hannover - Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) und Landwirtschaftsexperten haben alarmiert auf das Auftreten der Afrikanischen Schweinepest nahe der deutschen Grenze in Belgien reagiert. Man habe es mit einer Bedrohung direkt an der Haustür zu tun, sagte Otte-Kinast am Freitag im Landtag. „Die Afrikanische Schweinepest hat einen überraschenden, großen und beunruhigenden Sprung nach Westen gemacht.“
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass 60 Kilometer entfernt von der deutschen Grenze in Belgien die Seuche bei zwei tot gefundenen Wildschweinen festgestellt worden war. Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die Wild- und Hausschweine betrifft und für sie tödlich sein kann. Für den Menschen ist sie ungefährlich.
In den Agrarbetrieben in Niedersachsen werden rund acht Millionen Schweine gehalten, deshalb ist die Sorge vor einem Ausbruch der Seuche hier besonders groß. Die Krankheit überträgt sich auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter und Stallkleidung. Die A2 verbindet Osteuropa und damit die Seuchengebieten mit Niedersachsen. Seit Langem gibt es die Sorge, Touristen und Lastwagen-Fahrer könnten das hochansteckende Virus in Lebensmitteln mitbringen.
Otte-Kienast sagte, dass die Seuche nun erstmals in Westeuropa auftrete, könne nicht mit einer Wanderung infizierter Wildschweine über Hunderte von Kilometern aus Osteuropa erklärt werden. Dies stütze die These, dass sich die Seuche auch über Lebensmittelreste verbreite – zumal die toten Wildschweine in Belgien in der Nähe einer Autobahn gefunden wurden. Niedersachsen werde prüfen, welche Präventionsmaßnahmen getroffen werden sollen, sagte die Ministerin.
„Gemeinsam mit Jägern und Veterinären haben wir dieses Szenario Ende August erst mit einer Tierseuchenübung geprobt. Deshalb wissen alle Beteiligten, Kommunen, Schweinehalter und Behörden, was zu tun ist“, sagte Sprecherin Silke Breustedt-Muschalla vom Landvolk. Da es keinen Impfstoff gegen die Seuche gibt, müssen Experten zufolge die klassischen Bekämpfungsmethoden greifen. Dazu zählen die Einrichtung von Sperrgebieten, Beschränkung des Verkehrs, die Tötung infizierter Bestände sowie die gezielte Jagd auf Wildschweine.
Die niedersächsische Landwirtschaftskammer appellierte an die Bürger, wachsam zu sein und verendete Wildschweine sofort zu melden. „Das Tier nicht anfassen und unbedingt liegen lassen, weil jeder Transport den Erreger noch weiter verbreitet“, sagte Marktexperte Albert Hortmann-Scholten.
Den niedersächsischen Schweinehaltern drohen, laut Hortmann-Scholten, schwere finanzielle Einbußen bereits in dem Fall, dass Wildschweine in Deutschland gefunden werden, die an der Seuche zugrunde gegangen sind. Denn viel Schweinefleisch wird exportiert. „Wenn wir einen Ausbruch irgendwo in Deutschland haben, machen wesentliche Abnehmer wie China, Korea und Japan ihre Grenzen für deutsches Schweinefleisch dicht“, warnte der Experte.
