Hannover - Der Schwiegervater, der jahrelang noch fit war, hat nun gesundheitliche Probleme und wird pflegebedürftig. Doch wo findet die Familie einen Pflegedienst? Vor solchen Problemen stehen in Niedersachsen viele Menschen. In Pflegeheimen, bei Pflegediensten und in Krankenhäusern fehlt Personal.
Die Lage dürfte sich künftig verschärfen. Denn laut einer Prognose des Sozialministeriums, die sich auf den Landespflegebericht 2015 stützt, fehlen in der niedersächsischen Altenpflege bis 2030 zwischen 21 000 und 52 000 Mitarbeiter. Etwa 112 000 zählte die Altenpflege 2013.
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Wie groß ist der Notstand in Krankenhäusern |
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Ebenfalls groß. Schon jetzt sind bundesweit laut Deutscher Krankenhausgesellschaft 10 000 bis 15 000 Pflegestellen in Kliniken nicht besetzt. In Krankenhäusern in Niedersachsen sei auch die Zahl der Leiharbeiter gestiegen, sagt Sandra Mehmecke, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Errichtungsausschuss der Pflegekammer Niedersachsen, die auch Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Projekten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist. „Die Lücke ist ja jetzt schon groß“, meint auch Johanna Knüppel, Sprecherin Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Derzeit dauere es im Schnitt 164 Tage, etwa ein halbes Jahr, um offene Pflegestellen zu besetzen, beschreibt Knüppel.
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Welche Probleme gibt es in der täglichen Arbeit |
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Wenige Mitarbeiter müssen sich um viele Patienten und Pflegebedürftige kümmern. „Pflege kann nur noch im Dauerlauf absolviert werden“, schildert Johanna Knüppel, Sprecherin Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK). Der enorme Zeitdruck in dem Job mache auch die Pfleger selbst körperlich oder seelisch krank. Mehmecke bestätigt: „Der Zeitdruck ist ein riesiger Negativfaktor.“ Die hohe Arbeitsbelastung führe auch dazu, dass pflegerische Leistungen rationiert werden müssen. Es würden Abstände zwischen dem regelmäßigen Wechsel der Positionen von Pflegebedürftigen verlängert oder Mobilisation und Wundkontrolle bei Patienten sei nicht mehr jeden Tag möglich. „Das sind auch Aspekte, die die Sicherheit der Versorgung gefährden können“, beschreibt Mehmecke.
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Würden höhere Gehälter etwas bringen |
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Mehr Lohn wäre aus Sicht der DBfK-Sprecherin sinnvoll. „Trotzdem sagen viele Beschäftigte der Altenpflege: Ein zusätzlicher Kollege würde mir mehr nützen als ein höheres Gehalt“, sagt Knüppel. Denn die Überstundenzahlen seien gigantisch und Zeit zum Ausspannen fast nicht vorhanden. „Was greifen könnte, sind Festlegungen dazu, wie viele Bewohner oder Patienten eine Fachkraft höchstens betreuen darf“, schätzt Mehmecke die Lage ein.
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Können Roboter die Lücke schließen |
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„Ich warne erstmal davor, Robotik in der Pflege als Heilsbringer zu verstehen“, betont Mehmecke. Aber solche Innovationen könnten eine Hilfestellung sein. Doch sie ersetzten keine Pflegekräfte. Die Krankenbeobachtung könne ein Roboter nicht leisten, auch könne er keine menschliche Nähe ersetzen. „Roboter sind aber zum Beispiel gut, um bei der Mobilisation zu helfen“, sagt Mehmecke.
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Wie kann man mehr junge Menschen begeistern |
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Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist den Expertinnen zufolge die Autonomie des Pflegepersonals gering. „Oft dürfen sie ohne einen Arzt fast nichts entscheiden“, beschreibt Knüppel. Das frustriere viele Mitarbeiter in Kliniken und in den Pflegeheimen. In anderen Ländern führe der Weg zum Krankenpfleger längst über eine Universität, weil die Tätigkeiten im Berufsalltag komplex sind.
„In Deutschland ist es ein weisungsgebundener Beruf mit niedrigem Gestaltungsniveau“, sagt Knüppel. Das schrecke junge Menschen ab. Es habe schon entsprechende Projekte gegeben, erzählt Mehmecke. Dabei durften Fachkräfte etwa eigenständig Inkontinenz-Materialien verschreiben. „Diese Modellprojekte sind allerdings nicht in der Fläche ausgebaut worden.“
