HANNOVER - Gut jeder siebte Einwohner in Niedersachsen gilt als armutsgefährdet. Trotz eines leichten Rückgangs der Quote um einen Prozent auf 14,5 Prozent lebten im vergangenen Jahr 1,149 Millionen Menschen zwischen Hannover Münden und Cuxhaven unterhalb der Schwelle zur Armutsgefährdung, teilte der Landesbetrieb für Statistik am Donnerstag mit. Die Landesarmutskonferenz bezeichnete die Quote als Skandal.
Es sei ein Anlass zur Sorge, dass fast 40 Prozent der Alleinerziehenden und mehr als die Hälfte der Erwerbslosen von Armut bedroht seien, hieß es. Zur Armutskonferenz gehören die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, der Deutsche Gewerkschaftsbund sowie weitere soziale Verbände und Initiativen.
Der Statistik zufolge verzeichnet Hannover mit 19,6 Prozent die höchste Quote aller deutschen Großstädte, auch wenn sie im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Prozent gesunken sei. Im Verhältnis der Bundesländer nimmt Niedersachsen einen Platz im Mittelfeld ein. Hohe Quoten gibt es vor allem in Hamburg (17,4 Prozent) sowie in den Flächenländern Rheinland-Pfalz (15,7 Prozent). Insgesamt stagniere die Armutsgefährdung in Niedersachsen, hieß es. Bis 2005 hatte sich die Kluft zwischen Arm und Reich kontinuierlich vergrößert.
Relativ niedrige Armutsquoten seien im Westen des Bundeslandes mit 12 bis 12,8 Prozent und im Norden im Elbe-Weser-Dreieck mit 12,8 Prozent zu verzeichnen. „Die soziale Spaltung der Gesellschaft verfestigt sich auf hohem Niveau – der Armutsbericht wird zum Armutszeugnis für den Sozialstaat“, kritisierte die Grünen-Sozialpolitikerin Ursula Helmhold. „Das Armutsrisiko sinkt in Niedersachsen seit dem Jahr 2005 deutlicher als im Bundestrend“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Roland Riese (Emden). Das sei ein Erfolg für die Landesregierung.
