HANNOVER - Agrarminister Gert Lindemann hat das zögerliche Verhalten der Kreisveterinäre bei möglichen Verstößen gegen den Tierschutz beim Cuxhavener Hühnerzüchter Lohmann (LTZ) kritisiert. „Ich bin mit dem Ablauf nicht zufrieden“, sagte der niedersächsische CDU-Politiker am Donnerstag im Landtag in Hannover.

Ursache für seine Kritik ist ein vom dortigen Kreisveterinär ignoriertes Gutachten des Landesamtes für Verbraucherschutz (Laves), das bereits im September 2008 die Amputation von Kämmen und Zehen bei Zuchtküken als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gewertet hat. Dennoch habe der Landkreis unter Berufung auf Wissenschaftler der niederländischen Universität Wageningen die Kamm-Schnitte bis Januar 2010 bei Hühnern, die braune Eier legen, und bis Januar 2011 bei Hühnern, die weiße Eier legen, geduldet, da sie den Kannibalismus unter Hühnern vermeiden.

Im Landkreis Ammerland hat es Amputationen bei Zuchtküken nicht gegeben. Das versicherte Kreisveterinär Dr. Frank Meyer dieser Zeitung. Außerhalb der Routinekontrollen habe er jetzt noch einmal einen in Neuenkruge ansässigen Betrieb überprüft. „Hier handelt es sich jedoch um eine Putenbrüterei. Damit sich die Tiere nicht verletzen, ist dort das Kürzen der Schnäbel erlaubt. Und dafür gibt es eine offizielle Ausnahmegenehmigung“, sagte der Kreisveterinär. Rein rechtlich haben sich die Kreisveterinäre ohnehin nichts zuschulden kommen lassen, da weder das Laves noch das Landwirtschaftsministerium weisungsbefugt sind – im Gegensatz zu den Landräten.

Hinter den Kulissen im Agrarministerium hieß es, dass in den Landkreisen Angst vor möglichen Schadensersatzforderungen von LTZ herrsche. Denn sollte das Gericht entgegen der Laves-Meinung erklären, dass die Amputationen tierschutzkonform sind, müsste der Landkreis mögliche Schadenersatzforderungen selbst begleichen.

Lindemann betonte, dass die Einführung eines freiwilligen Tierschutzsiegels ein wichtiger Schritt für die Branche sei. Sollte sich die EU dagegen aussprechen, werde sich Niedersachsen für eine deutsche Variante einsetzen.

Kerstin Schumann
Kerstin Schumann Redaktion Westerstede