Hannover - Niedersachsens Handwerk stemmt sich gegen den Fachkräftemangel: Im August verzeichneten die Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) ein leichtes Plus von 3,6 Prozent auf 15 470 neuen Ausbildungsverträgen. Allerdings könnten noch weit mehr Stellen besetzt werden.
Im Frühjahr hatten 60 Prozent der befragten Betriebe erklärt, nicht alle offenen Stellen besetzen zu können. „Wir können jeden gebrauchen“, sagte der LHN-Vorsitzende Karl-Wilhelm Steinmann am Montag in Hannover. Durch den Fachkräftemangel sei das Konzept der Wirtschaftsmacht „von nebenan“ mit seinen 537 000 Beschäftigten in Niedersachsen in Gefahr.
Aus Sicht Steinmanns liegt das auch an der Politik, die die akademische Ausbildung der beruflichen vorziehe. Die Benachteiligung macht er unter anderem an der schlechten Unterrichtsversorgung der Berufsschulen fest. Die duale Ausbildung müsse „Chefsache“ werden – durch Schulpraktika, ein dem studentischen Semesterticket gleichgesetztes Nahverkehrsticket für Azubis, eine wohnortnahe Berufsschulausbildung sowie die Sicherung des Meisterprivilegs.
Dabei sind die Handwerksfirmen mit den Auszubildenden, die sie bekommen haben, zufrieden. Das ergibt eine LHN-Umfrage, an der mehr als 2000 Betriebe teilgenommen haben: 21 Prozent der Befragten gaben sich „sehr zufrieden“, weitere 65 Prozent „zufrieden“ mit ihren neuen Mitarbeitern. Lob gab es für Motivation und Teamfähigkeit, Aufgeschlossenheit und Umgangsformen. Steinmann war positiv überrascht. „Unsere Auszubildenden sind besser als ihr Ruf“, sagte er.
Einige Betriebe locken mit zusätzlichen Anreizen: Fast ein Viertel der Befragten zahlt über Tarif, fast ein Drittel beteiligt sich an Fahrtkosten. Zu den Extras gehören Diensträder, Handyverträge oder Auslandaufenthalte. Ein Bäcker stellt seinem Azubi sogar ein Auto, weil frühmorgens noch kein Bus fährt.
