HANNOVER - Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des TUI-Aufsichtsrates an diesem Montag haben Spekulationen um eine mögliche Abspaltung der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd für Unruhe gesorgt. Ein Sprecher des Reisekonzerns sagte, der Aufsichtsrat werde sich am Montag mit den verschiedenen strategischen Optionen für die Zukunft des Konzerns befassen. Berichte über eine Aufspaltung in die Sparten Tourismus und Schifffahrt wollte er jedoch nicht kommentieren. Beim Reisegeschäft hält die Konzernzentrale nur noch eine 51-Prozent-Beteiligung an TUI Travel in London.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ soll Konzernchef Michael Frenzel seinen Widerstand gegen eine Zerschlagung aufgegeben haben. Er werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, den Konzern in das Touristikgeschäft und die Reederei Hapag-Lloyd aufzuspalten, schrieb das Blatt unter Berufung auf Unternehmenskreise. Frenzel reagiere damit auf massiven Druck von Aktionären, die einen solchen Schritt mit Blick auf die Entwicklung bei Hapag-Lloyd verlangt hatten.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der TUI AG wollen einer möglichen Aufspaltung des Unternehmens nicht tatenlos zusehen. „Bei den bevorstehenden Diskussionen über die Zukunft der TUI werden wir einer Lösung nur zustimmen, wenn der Touristik-Standort Hannover und der Hapag-Lloyd-Standort Hamburg nicht gefährdet sind“, sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef der TUI, Jan Kahmann. „Wir legen außerdem Wert darauf, dass die Arbeitsplätze an beiden Standorten erhalten bleiben.“ In Hannover sind laut TUI rund 4000 Mitarbeiter beschäftigt, in Hamburg bei Hapag Lloyd rund 1900.

Kahmann sagte, die Gewerkschaft „Verdi“ habe sich im Rahmen des Maritimen Bündnisses bemüht, möglichst gute Bedingungen für die deutsche Schifffahrt zu schaffen. „Dabei haben wir als Gewerkschaft in der Vergangenheit Zugeständnisse bei den Besatzungen gemacht“, sagte der frühere „Verdi“-Bundesvorstand. Diese Kooperationsbereitschaft habe bewirkt, dass wieder mehr Schiffe unter deutscher Flagge führen.