Hannover - Einen Tarifvertrag für die Beschäftigten in der ambulanten Pflege fordern die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und der Diakonische Dienstgeberverband Niedersachsen (DNN). „Die Unterschiede zwischen Tarifbindung und frei verhandelten Arbeitsbedingungen liegen einerseits in der Bezahlung, andererseits aber vor allem in den Mantelregelungen wie Arbeitszeit, Urlaub, Weihnachtsgeld und betriebliche Altersvorsorge“, beklagte Annette Klausing, Gewerkschaftssekretärin beim Verdi-Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, am Montag vor Pressevertretern in Hannover.

Laut Klausing hat die ambulante Pflege „viel zu lange ein Schattendasein geführt“. Dabei sei die häusliche Pflege ein zentraler Bestandteil des Pflegesektors. So befänden sich in Niedersachsen von zehn Pflegebedürftigen sieben in ambulanter und drei in stationärer Versorgung. Insgesamt arbeiteten in Niedersachsen mehr als 33 000 Personen in der ambulanten Pflege. Charakteristische Merkmale seien die Teilzeitbeschäftigung (mehr als 80 Prozent) der überwiegend weiblichen Angestellten (knapp 90 Prozent) sowie die im Vergleich zu Pflegekräften im Krankenhaus geringere Entlohnung. „Es ist an der Zeit, der ambulanten Pflege, die leise und im Verborgenen stattfindet, eine Stimme zu geben“, sagte Klausing.

Schließlich spitze sich die Situation in der ambulanten Pflege zu, sei die Situation für die Beschäftigten „dramatisch“. Von den insgesamt 1300 Pflegediensten in Niedersachsen zahlten nur rund 15 Prozent nach einem Tarifvertrag, alle anderen legten individuell die Arbeitsbedingungen fest. Das könne dann bei einer Vollzeitstelle monatlich 300 Euro weniger betragen. Einerseits würden Arbeitskräfte in der Pflege händeringend gesucht, andererseits liege die Bezahlung weit unter dem Durchschnitt der erwerbstätigen Bevölkerung. „Wie passt das zusammen?“, fragte die Gewerkschaftsvertreterin. Im Gegensatz zu Autoherstellern könnten Pflegedienste aber nicht einfach die Preise erhöhen, wenn ihre Kosten steigen. Sie müssen dann mit Pflegekassen und Kommunen verhandeln. Hier liege ein Teil des Problems.