Hannover/Westerstede - Die Turbulenzen um den von einem Bilanzskandal erschütterten Möbelhaus-Konzern Steinhoff drohen die für den 5. Mai geplante Südafrika-Reise von Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zu überschatten.
In einer parlamentarischen Anfrage, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, will der Landtagsabgeordnete und frühere Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) wissen, ob Weil dort auch Möglichkeiten zur Verbesserung der Zusammenarbeit bei der grenzübergreifenden Bekämpfung von Marktmanipulation und Steuerhinterziehung ansprechen werde.
Hintergrund ist ein Bilanzskandal, der den in Deutschland vor allem durch seine Beteiligung an der Billig-Möbelhauskette Poco bekannten Steinhoff-Konzern seit Dezember in eine Krise rutschen ließ.
Wurzeln in Westerstede
Das Ausmaß der Unregelmäßigkeiten bei der Gruppe, die von Südafrika aus gemanagt wird, ihre Wurzeln aber in Westerstede (Ammerland) hat, ist bislang noch nicht absehbar.
Von Westerstede aus würden auch heute noch Teile des Geschäfts der an den Börsen in Frankfurt und Johannesburg (Südafrika) gelisteten Gruppe gesteuert, so Wenzel. Er hatte deswegen einen Fragenkatalog bereits eingereicht, ihn aber mit seiner zweiten Anfrage deutlich erweitert. So will er nun wissen, ob die Landesregierung in Hannover über die in Südafrika durchgeführten Anhörungen und Ermittlungen informiert ist. Wörtlich fragt er zudem: „Welche Wirtschaftsprüfer haben die etwa 700 Tochterunternehmen des Konzerns in den letzten 10 Jahren geprüft?“ Wenzel will auch wissen, ob die Eintragungen für die etwa 150 Poco-Märkte im Handelsregister den gesetzlichen Vorgaben entsprechen und wie sie im Konzern konsolidiert wurden.
Auch Steinhoff selbst hat mit weiteren Problemen zu kämpfen. Am Dienstagabend teilte der angeschlagene Möbelriese mit, dass das Immobilienportfolio in Europa um rund eine Milliarde Euro zu hoch bewertet wurde und nun Abschreibungen drohen. Von Steinhoff eingesetzte Gutachter der Bewertungsgesellschaft CBRE Limited hätten für die rund 140 Läden, Büros und Grundstücke in Europa lediglich einen Wert von rund 1,1 Milliarden Euro ermittelt. Ursprünglich hatte Steinhoff sein Immobilienportfolio, darunter vor allem Läden und Büros der österreichischen Möbelkette Kika Leiner, mit 2,2 Milliarden Euro bewertet.
Offenbar wurde der Wert der Immobilien über Mieten, die sich Steinhoff-Gesellschaften untereinander bezahlten, künstlich aufgebläht. Außerdem wurden Leerstände nicht berücksichtigt, hieß es weiter.
Börsenkurs bei 21 Cent
Die neuerlichen Hiobsbotschaften setzten die ohnehin schon auf Talfahrt befindliche Aktie von Steinhoff weiter unter Druck. Sie rutschte am Mittwoch zeitweise unter die Marke von 21 Cent. Bereits nach Bekanntwerden der Bilanzunregelmäßigkeiten Anfang Dezember 2017 war die Aktie um mehr als 90 Prozent abgestürzt. Viele Aktionäre haben hohe Verluste.
