HANNOVER - In Oldenburg gibt es zwar mehr Fahrräder als Einwohner. Der Titel Fahrradfreundliche Stadt 2010 geht jedoch in ein Fahrrad-Entwicklungsland. Verkehrsminister Jörg Bode überreichte Vertretern der Landeshauptstadt am Donnerstag die Auszeichnung und einen Scheck über 25 000 Euro.
Zum zweiten Mal wurde der Wettbewerb unter den niedersächsischen Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern ausgetragen. Wie schon 2006 ging Oldenburg dabei leer aus. Gemeinsam mit Emden und Lüneburg wurde man aber auf den (symbolischen) zweiten Platz gesetzt.
Das war eine ganz enge Entscheidung, so Ministeriumssprecher Christian Haegele. Was letztlich aber für oder gegen Oldenburg sprach, ließ er offen. War es vielleicht die Route, die die Jury durch Oldenburg fahren musste? Bei der Testtour am 11. August schien zwar schön die Sonne. Die Straßen, die sich die Gastgeber ausgesucht hatten, waren jedoch zum Teil grenzwertig. So lotste Verkehrsamtsleiter Bernd Müller die Jury u.a. durch die Schäferstraße eine Straße, die mit ihrem Uralt-Kopfsteinpflaster kaum befahren werden kann.
Oder lag es an der Zusammensetzung der Jury? Von den zehn Verkehrsexperten (Landtagsabgeordnete aller Fraktionen und Verbandsvertreter) kamen immerhin sechs aus dem Großraum Hannover.
Gleichwohl gab es Lob für Oldenburg. Neue Konzepte bei Ampelschaltungen (z.B. an der Cäcilienbrücke) oder der Test mit einer neuen Radwegform (an der Schützenhofstraße) gefielen der Jury.
Wäre man nur nach den nackten Zahlen gegangen, hätte niemand Oldenburg den Titel streitig machen können. 42,7 Prozent des innerstädtischen Verkehrs finden im Sattel statt (knapp hinterm Auto mit 43,6 Prozent). Zum Vergleich: In ganz Niedersachsen liegt der Fahrradanteil gerade mal bei 13 Prozent.
Im nächsten Jahr hat Oldenburg übrigens keine Chance auf eine Revanche. Dann wird der Wettbewerb für Landkreise ausgeschrieben.
Man hat also genug Zeit, bis zum nächsten Jury-Besuch die Holper-Radwege zu renovieren.
