HANNOVER/WILHELMSHAVEN - Massenhaft wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs Munition in der Nordsee entsorgt.

Allein vor Niedersachsens Küste rosten laut Expertendarstellung bis

zu eine Million Tonnen Kampfmittel am Meeresgrund vor sich hin.

Jetzt, nach gut 60 Jahren, droht der Umwelt nach Befürchtungen von

Wissenschaftlern eine erste Welle der Verseuchung. Bei Unfällen mit Munition gab es auch immer wieder Verletzte, sagte der Meeresbiologe


und Umweltgutachter Stefan Nehring am Dienstagabend in Hannover.

Das niedersächsische Umweltministerium warnte vor Panikmache. Die

Belastung werde als „nicht signifikant“ eingestuft, eine Anreicherung

von Schadstoffen etwa in Fischen sei „bisher nicht nachgewiesen“, gab

Rudolf Gade die Sicht des Ministeriums wieder. Allerdings räumt er ein, dass diese Bewertung schon rund 15 Jahre alt

ist. Neuere Zahlen gibt es nicht.

Hintergrund: Munition in der Nordsee

Jade-Port: Wurfgranaten gelangen in Spülrohre

Besonders brisant: An der Jade entsteht der Tiefwasserhafen

Jade-Weser-Port. Bei den vielen Sandbewegungen gab es in diesem Sommer

beinahe täglich explosive Funde, die Arbeiten gerieten ins Stocken.

Die Behörden hatten Probleme, den ständigen Alarm zu bewältigen.

Nehring hält es gut für möglich, dass die großflächigen Arbeiten die Strömungen verändern und bald noch mehr Munition

von der Hooksiel Plate freispülen. „Die Chance ist relativ groß.“

Mehr zum Thema lesen Sie am Mittwoch im Regionalteil Ihrer NWZ.