HANNOVER/WILHELMSHAVEN - Vorletzte Runde im Hafenkrimi: Jade-Port-Aufsichtsratschef Joachim Werren (FDP) wies im Untersuchungsausschuss des Landtags Manipulationsvorwürfe zurück. Es habe keine Einflussnahme der Politik auf die Vergabe des Bauauftrags für den Tiefwasserhafen gegeben. Der Wirtschafts-Staatssekretär wurde am Donnerstag zum zweiten Mal befragt. Am 3. Januar soll auch Wirtschaftsminister Walter Hirche (FDP) erneut mit den widersprüchlichen Aussagen von anderen Zeugen konfrontiert werden.

Werren sagte, seine Rolle als Aufsichtsrat habe ihm verboten, aktiv für niedersächsische Interessen einzutreten. Das hatte der gefeuerte Chefplaner des Tiefwasserhafens, Wolf-Dietmar Starke, nach eigener Aussage im Februar diesen Jahres gefordert. Dies wäre eine unzulässige Einflussnahme gewesen, erklärte Werren. Der Staatssekretär räumte ein, dass er die beiden Anrufe des Chefplaners in dieser Zeit als „Hilferufe“ erkannt habe. Starke habe aber offenbar „Probleme mit der Wahrnehmung“ gehabt, weil sein Vertrauensverhältnis zur Geschäftsführung gestört gewesen sei.

Starke hatte bei seiner Befragung im Ausschuss erklärt, er habe Werren auf mögliche Korruption bei der Vergabe des Bauauftrags und auf den Bruch des Vergaberechts hingewiesen. „Ich hielt es nicht für meine Aufgabe, mich einzuschalten“, sagte Werren auf Nachfrage des Grünen-Obmanns Enno Hagenah. Er habe seinen Hafenbeauftragten Joachim Erdmann gebeten, sich darum zu kümmern.

Der Geschäftsführer der Hafenbaugesellschaft, Jürgen Werner, sagte im Ausschuss, die Vorwürfe Starkes seien „abenteuerlich“. Starke habe „ständig auf dem Schoß“ Werrens sitzen wollen, aber nicht realisiert, dass es bei der Gesellschaft zwei Partner gebe, nämlich Niedersachsen und Bremen. Eine von der Bietergruppe Bunte vorgeschlagene technische Sonderlösung sei zu risikoreich und daher nicht vertretbar gewesen. Dies sei eine „große Enttäuschung“ für Starke und seine Mitarbeiter gewesen, die eine innovative Lösung wollten. Bunte war bei der Vergabe gegen den Hochtief-Konzern unterlegen, hatte aber erfolgreich dagegen geklagt.

Der Wirtschaftsrat der CDU forderte einen „Kurs der Sachlichkeit“ bei der Untersuchung der Vorgänge. Ein Hineinziehen des Themas in den Wahlkampf schade dem Projekt. Unterdessen hieß es aus Regierungskreisen, das Oberverwaltungsgericht Lüneburg werde Mitte Januar über die Klagen gegen die Planfeststellung entscheiden.