HANNOVER/ - Der Autozulieferer Continental rüstet sich für den Abwehrkampf gegen eine Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe. Neben Goldman Sachs soll nun auch die Investmentbank JP Morgan die Verteidigungsstrategie von Conti vorantreiben. Zudem sei die Deutsche Bank beratend tätig. Entsprechende Medienberichte wurden am Freitag in Branchenkreisen bestätigt.

Conti lehnt – wie berichtet – das Übernahmeangebot von Schaeffler ab. Es gilt mit 70,12 Euro je Aktie als „niedrig“. Offen ist, ob der Bieter sein Angebot erhöht. Schaeffler hüllte sich in Schweigen.

Als eine Option im Abwehrkampf gilt ein „weißer Ritter“, ein freundlich gesonnener Großinvestor, der bei der Conti einsteigt. Laut Medienberichten sucht Conti-Chef Manfred Wennemer bereits. Um einem solchen Partner den Einstieg zu erleichtern, könnte er auf eine bereits genehmigte Kapitalerhöhung zurückgreifen.

Theoretisch hat Schaeffler nach eigenen Angaben direkt und indirekt Zugriff auf 36 Prozent der Aktien. Damit, so heißt es, sei Schaeffler auf künftigen Hauptversammlungen angesichts geringer Präsenz anderer Aktionäre „faktisch“ in der Mehrheit.

Kritiker meinen dagegen, Schaeffler halte die Zugriffsmöglichkeiten mit sogenannten Swap-Geschäften nicht lange durch. Die Frage sei, wie lange die Banken mitspielen würden.


Kernpunkt einer Abwehrstrategie könnte neben der Kapitalerhöhung auch sein, den Conti-Aktienkurs in die Höhe zu treiben (dann wird es für Schaeffler unattraktiver) oder den Schuldenstand – etwa durch eigene, gezielte Zukäufe – massiv zu erhöhen.

Unterdessen warf die Opposition im Landtag der Landesregierung mangelndes Engagement vor. Der Grünen-Abgeordnete Enno Hagenah sagte, die Landesregierung könne über ihre Position als zweitgrößter VW-Aktionär Druck auf die Unternehmen machen, um einen langen Machtkampf bei Conti zu verhindern. Stefan Schostock (SPD) sagte, es sei „kein sichtbares industriepolitisches Engagement“ der Landesregierung erkennbar.

Dagegen sagte Wirtschafts-Staatssekretär Joachim Werren am Freitag im Wirtschaftsausschuss (Vorsitzender: Karl-Heinz Bley aus Garrel), die Landesregierung setze auf „Überzeugungsarbeit“. Sie stehe in Kontakt mit den Spitzen von Conti und Schaeffler. Ziele seien die Sicherung der Arbeitsplätze bei einer eigenständigen Conti, die nicht zerschlagen werde, mit Sitz in Hannover. Eine Zusammenarbeit könne eine „vielversprechende Perspektive“ sein.