HARKEBRüGGE - Eigentlich ist es vom Kolonialwarenladen bis hin zum argentinischen Steak kein allzu großer Schritt. Wie beides aber dann doch 75 Jahre braucht, um im Dorf Harkebrügge zusammenzukommen, das ist die Geschichte von Eugen Block, Gründer der weltweiten Steakhaus Kette „Block House“, seinen vier Geschwistern und ihrem Elternhaus. Anlässlich der Neueröffnung des Gasthaus und Hotel Block trafen sich die Geschwister wieder und wagten einen Blick zurück:

Als der Geschäftsmann Heinrich Block im Jahre 1933 ein Geschäfts- und Wohnhaus gegenüber der Kirche baut, spotten seine Zeitgenossen noch: „Warum baust du denn so ein großes Ding? Willst du eine Schule bauen?“ Aber Heinrich Block hat einen Plan: Er wollte ein Kolonialwarengeschäft für Harkebrügge bauen. Auch eine Gastwirtschaft und das Postamt mit der Telefonverbindungsstelle finden Platz.

Heinrichs Frau Maria bringt in den folgenden Jahren ihre fünf Kinder Heiner, Eugen, Marlies, Ludger und Annette zur Welt. Für die fünf bedeutet das vor allem eines: mithelfen. „Ob im Laden oder in der Gastwirtschaft – wir mussten schon früh mit anpacken“, erinnert sich Ludger Block.

Zur besonderen Belastungsprobe für den dörflichen Frieden wird dabei immer wieder der heilige Sonntag: „Unsere Mutter Maria hat zwar immer die Gäste in der Wirtsstube über die Straße zur Messe in die Kirche geschickt, aber einige gingen eben nicht“, sagt Annette Dänekamp, die jüngste Schwester und fährt fort: „Und dann hat Pastor Bruns natürlich gewettert: ,Da drüben sitzen sie jetzt wieder in der Gaststube anstatt die Messe zu hören’.“

Alle fünf Kinder lernen Kaufmann. Heiner, Ludger, und Annette bleiben in Harkebrügge und Barßel. Aber Eugen und Marlies zieht es hinaus in die Welt und sie lernen Gastronomiekaufmann und -frau. Der Start einer steilen Karriere für beide: Schwester Marlies, heißt inzwischen Head mit Nachnamen und ist Geschäftsführerin bei den Hamburger Madison Hotels. Auch Eugen Block kommt herum: „Ich habe das Zapfen noch von meinem Vater gelernt. Als ich dann während meiner Ausbildung in Münster, der Schweiz und Amerika immer mal wieder nach Hause kam, habe ich natürlich weiter mitgeholfen.“ Aber das ist dem jungen Eugen Block längst nicht mehr genug: „Ich brauchte einfach mehr Tempo. Nur immer bei den Gästen sitzen war mir zu langweilig, da bin ich lieber in den Garten gegangen, etwas arbeiten.“


Die Idee für diese Tempoverschärfung bringt Block aus den USA mit. Ihm gefallen die rustikalen Skihütten, die Blockhouses, in denen auf nackten Tischen ohne Tischdecke saftige Steaks serviert werden. Und er holt die Steakhäuser nach Deutschland.

1968 eröffnet er in Hamburg das erste „Block House“ der Clou: Leckere Steaks, kleine Preise und: keine Tischdecken. Die Idee kommt an und bald hat Eugen Block eine 80-Stunden-Woche und eröffnet ein „Block House“ nach dem anderen. 39 sind es inzwischen weltweit. Das 40. eröffnet im November am Hamburger Jungfernstieg. Zudem gehört ihm das Hamburger 5-Sterne-Hotel „Grand Elysee“ mit mehr als 500 Betten. Seit kurzem ist nun auch das Elternhaus der Blocks ein kleiner Teil der großen Erfolgsgeschichte: Seit die Pächter Adam Kika und Anita Frey nun auch die Block-House-Steaks in Harkebrügge servieren, haben die argentinischen Steaks nach einem Dreivierteljahrhundert doch noch den Weg in den ehemaligen Kolonialwarenladen gefunden.