Harpstedt - Es steht nicht gut um unsere Mutter Erde. Das wurde den Besuchern des Klima-Info-Abends am Donnerstag im Saal der „Wasserburg“ in Harpstedt schnell klar. Vor dem Hintergrund von fast wöchentlich veröffentlichten Hiobsbotschaften über den dramatischen Anstieg von CO2-Werten, das Auftauen der Permafrostböden samt Freigabe von Methangasen in die Atmosphäre und die Folgen referierten Dr. Hannes Grobe (Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung) und Margret Grobe (Klimahaus Bremerhaven) zum Thema „Unser Klima wandelt sich“.
Neue Dimension
Der lange und heiße Sommer 2018 zeigte vielen Menschen die neuen Dimensionen des Klimawandels und lieferte eine Kostprobe, wie es hier bei uns in Zukunft öfter einmal aussehen könnte. Deshalb wollen sich nun auch Menschen aus der Samtgemeinde Harpstedt parallel zur UN-Klimakonferenz in Katowice (Polen) in Sachen Klimawandel einbringen.
Unterzeichner und zugleich Einladende zu dem Vortrags- und Diskussionsabend waren Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, Mitglieder aller Ratsfraktionen sowie des Klimaschutzmanagements des Landkreises Oldenburg, der Regionalen Netzstellen Nachhaltigkeitsstrategien (RENN), des Vereins Prinzhöfte und des Freiraum-Projektes, getragen vom Zentrum Prinzhöfte (Verein für ganzheitliches Lernen).
Eindrucksvoll und zugleich ein Stück beklemmend stellte das Ehepaar Grobe, das sich, wie kann es auch anders sein, mitten in der polaren Eiswüste kennenlernte, die Stellschrauben, Zusammenhänge, Elemente und weitreichenden Folgen nach der Begrüßung durch Ulrike Oemisch und Sabrina Dalk-Vinken vor.
Vielfältiges Klima
„Unsere Erde ist wunderbar. Ein Geschenk mit einem vielfältigen Klima, dessen Zusammenhänge wir kurz erklären möchten“, erklärte Margret Grobe. „Experimente zeigen: Steigt das Kohlendioxid, steigen die Temperaturen“, beschrieb Dr. Grobe. Das sei ein normaler Vorgang. Was nicht normal sei, sei der immer kürzer werdende Zeitraum, in dem es passiere. Meteoriten-Einschläge, riesige Vulkanausbrüche, die alle elf Jahre schwankende Aktivität (Sonnenflecken) der Sonne, Erdbahn-Veränderungen, Kontinental-Verschiebungen, Meeresströmungen, Windrichtungen: All das stehe in einem engen kausalen Zusammenhang. Werde eine Schraube gedreht, veränderten sich auch die anderen
Hannes Grobe: „Eigentlich befinden wir uns in einer Eiszeit. Doch der Einfluss des Menschen mit seinem Energiehunger und einem Verbrauch von so viel Öl in einem Jahr, wie die Erde nur in einer Million Jahren erzeugen konnte, geht über das Maß aller Dinge hinaus.“
In 10 000 Jahren sei die Erde vier Grad wärmer geworden. Das sei verkraftbar für die Stellelemente. Nun aber könne in 100 Jahren, je nach Maßnahmen der Menschen, die Erde um 2,5, 4,5, 6,0 oder sogar 8,5 Grade wärmer werden. Das habe gravierende Auswirkungen, wenn nicht sofort gegengesteuert werde.
Schmelze das Eis am Nordpol und auf Grönland, steige der Meeresspiegel in unbekannte Höhen. Außerdem verschwinde die reflektierende weiße Eisschicht. Die Erde heize sich noch mehr auf. Durch das viele Süßwasser komme der Golfstrom (Energie von zwei Millionen Atomkraftwerken) vor unseren Küsten aus dem Gleichgewicht. Der Jetstream verändere sich, bilde abweichende Zellen, die wiederum für Standwetter (letzter Sommer) oder Extremwetterlagen verantwortlich sein könnten.
Jahreszeiten ändern sich
Die Folge bei uns: Die Jahreszeiten würden sich verschieben. Vor allem Sommer und Winter könnten sich verändern. Im April Eis, im Juni Kälteeinbruch, wärmere Winter mit mehr Niederschlag, trockene Sommer und Extremniederschläge.
Die beeinflussenden Elemente – dargestellt im Klimahaus in Bremerhaven auf einer Tafel – kippten nach und nach und sorgten für weitere Veränderungen.
Schlussfolgerung für den Abend: Gemeinsam müssen wir Menschen jetzt richtig loslegen. Das gelte auch für Politiker, Räte und den Landkreis mit Umsetzung des Kreis-Klima-Konzeptes, um zum Beispiel Fahrten einzusparen.
Noch nicht zu spät
Noch sei nicht alles zu spät. Es gebe noch Möglichkeiten, wenngleich der Zwei-Grad-Anstieg kaum noch zu halten sein werde. „Ich habe den Wunsch, global gesehen an die Menschen, vernünftig im Kopf zu werden und entsprechend zu handeln. Mit Kopf, Herz und Hand muss jeder zurückstecken, dann ist noch etwas zu retten“, sagte Margret Robe.
