HARPSTEDT - Prellungen, gequetschte Finger, Platzangst, beschädigte Schulranzen, Schüler, die wegen Überfüllung draußen bleiben müssen – was Eltern und Kinder am Montagabend in der Gaststätte „Stadtgespräch“ von der Situation in überfüllten Schulbussen zwischen Harpstedt und Wildeshausen berichteten, war abenteuerlich. Rund 70 Interessierte hatten sich zum Diskussionsabend um das „Reizthema Schülerbeförderung“ eingefunden, zu dem die CDU-Kreistagsabgeordneten Hartmut Post (Dünsen) und Herwig Wöbse (Stiftenhöfte) eingeladen hatten. Die beiden Kommunalpolitiker haben sich vorgenommen, sich dieses komplexen Themas anzunehmen, das bereits seit Jahren immer wieder für Zündstoff sorgt.
„Ich kann die Situation seit 16 Jahren beurteilen, und ich muss ganz ehrlich sagen, bewegt haben wir nur wenig“, bedauerte Marina Dierks aus Wunderburg, Mutter von drei Kindern und Elternratsvorsitzende des Gymnasiums Wildeshausen. Manchmal drängten sich vier Kinder samt Ranzen auf einem Quadratmeter („Die kleben wie Fliegen an den Scheiben.“).
Nach der Devise „Der Größte und Stärkere gewinnt“ hätten vor allem die jüngeren Schüler im „Kampf“ um die wenigen Sitzplatz ewig das Nachsehen, beklagten gleich mehrere Eltern. Extrem vor allem die Situation nach Schulschluss sechste Stunde, wenn alle Schüler Richtung Harpstedt versuchten, sich in den ersten Bus zu quetschen. Wer warten müsse, sei manchmal erst um 14.45 Uhr zu Hause.
„Irgendwas stimmt an dem ganzen System nicht“, meinte Ralf Schirakowski Schulleiter des Gymnasiums Wildeshausen. So extrem wie in diesem Jahr sei es noch nie gewesen. Er vermutet, dass die Buskapazitäten falsch oder unangemessen eingesetzt würden. „Wir können die Beförderung nicht so organisieren, dass jeder auf dem schnellsten Weg nach Hause kommt“, sagte Dorothea Spitzner als Vertreterin des Landkreises, der Träger der Schülerbeförderung ist. Zum einen reiche der Platz vor dem Schulzentrum Wildeshausen nicht aus, um alle Busse gleichzeitig abfahren zu lassen, zum anderen müsse auch auf die Zeiten der Berufsbildenden Schulen und der Hunteschule Rücksicht genommen werden.
Bernhard Springer vom Busunternehmen DHE beruhigte: „Wir werden jährlich von der Polizei überprüft, zuletzt erst vor 14 Tagen. Es war alles in Ordnung, kein Bus war nach den zulässigen Richtlinien überbesetzt.“ Im Gelenkbus seien sogar 81 Stehplätze zulässig bei 69 Sitzplätzen. Er bot an, nach den Herbstferien noch einmal eine Zählung durchzuführen.
Eltern schlugen vor, einen Buslotsendienst einzurichten und Umsteigern, die in Harpstedt noch in Busse müssen, die die Randgebiete der Samtgemeinde bedienen, bei der Rücktour zu bevorzugen. „Wenn wir uns auf rein bürokratischer Schiene bewegen, werden wir das Problem nie lösen“, so Marina Dierks überzeugt. Herwig Wöbse und Hartmut Post sagten zu, das Thema weiter aufzuarbeiten und dann erneut öffentlich einzuladen.
