HARPSTEDT - „Egal, ob Ihr Fiffi ausgeführt werden muss, Sie kein Brot mehr haben oder vielleicht zum Bremer Freimarkt wollen – rufen Sie an. Wir kommen gern.“ Gisela Guhlke aus Harpstedt machte Mut, den Service der Seniorengleiter in der Samtgemeinde zu nutzen. Sie ist eine von zwölf Frauen und Männern, die sich über das Seniorenservicebüro des Landkreises Oldenburg in einer 50-stündigen Fortbildung zum Seniorenbegleiter ausbilden ließen. Sieben von ihnen nutzten bei einer Veranstaltung des Seniorenservicebüros am Dienstag im Hotel „Zur Wasserburg“ die Gelegenheit, sich und ihre Dienste vorzustellen.

„Wir engagieren uns für einige Stunden in der Woche ehrenamtlich für das Leben in der Gemeinde, damit viele Menschen möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden bleiben können“, sagte Seniorenbegleiter Heinfried Sander aus Klein Köhren, betonte jedoch: „Wir sind keine Helfer, sondern Begleiter. Wir nehmen keinem einen Job weg.“ Die Seniorenbegleiter kämen etwa zu Einkäufen und Behördengängen mit, unternähmen mit älteren Menschen Spaziergänge oder Ausflüge, würden bei der Versorgung von Haustieren helfen, vorlesen oder einfach zuhören. Sander nannte Zahlen: Zum Stichtag 21. April 2010 lebten in der Samtgemeinde 11674 Menschen, davon 2511 über 65 und 3179 über 60 Jahre alt.

Die Motivation, sich zum Seniorenbegleiter fortbilden zu lassen, war unterschiedlich: Bei Heike Grape (Harpstedt) gab die Mutter den Anstoß, die mit 90 Jahren noch im eigenen Haus wohnt; Susanne Eissel (Harpstedt) wollte noch mehr über das Thema Demenz erfahren. Die 67-jährige Gisela Guhlke, die außer dem behinderten Sohn keine Verwandten mehr hat, ist froh, die Ausbildung gemacht zu haben: „Ich habe keine Angst mehr, einmal allein zu sein, denn jetzt weiß ich, dass es da nette Menschen gibt, die mal vorbeikommen.“ Auch Hans-Gerd Wellmann (Ganderkesee), der selbst im Rollstuhl sitzt, würde sich darüber freuen, älteren Menschen Gesellschaft zu leisten, auch wenn seine Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist: „Ich kann Schach, Skat oder Halma spielen und mit dem Auto an die See fahren. Was ich jedoch nicht kann, sind Taschen in den dritten Stock tragen.“

Im Anschluss an die Vorstellungsrunde referierte Marco Leibe, Jurist aus Delmenhorst, über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Die Vermittlung von Seniorenbegleitern übernimmt das Seniorenservicebüro in Wardenburg unter Leitung von Vera Vollmer. Zu erreichen ist es montags bis donnerstags 8.30 bis 12.30 Uhr und donnerstags auch von 14 bis 17.30 Uhr unter Tel. 04407/73143.