Harpstedt - Ex-Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke hat hier Lachse in die Delme gesetzt, Werder-Spieler haben an diesem Ort ihre Verträge verhandelt, Ivan Rebroff und Rudi Carrell haben sich hier auf Auftritte vorbereitet, Ostfriesenkrimi-Autor Klaus-Peter Wolf suchte Inspirationen. Keine Frage: Das Hotel/Restaurant „Zur Wasserburg“ hat schon viele und vieles gesehen. Die meisten Gäste allerdings kommen nicht der Lachse oder der Inspirationen wegen – sondern zum Tagen, Feiern und vor allem Genießen.
Die Wassermühle an der Delme in Harpstedt wurde bereits 1396 erwähnt, sie gehörte vermutlich immer zum Schloss.1712 wurde die Mühle im Auftrag der Kurfürstlichen Kammer komplett erneuert und vergrößert. Teile der damals entstandenen Außenmauer wurden bei Umbau- und Renovierungsarbeiten 2011 wieder freigelegt und sind im Gasthaus zu sehen.Noch im 18. Jahrhundert wurde die Wassermühle von der Familie Meyer, später Freese, gepachtet. 1874 ging sie ins Eigentum der Familie Freese über – in dem sie blieb bis zum Verkauf an die Familie Grohe im Jahr 1962.
Im Vergleich zu manch anderen Gasthäusern mit dem Schwerpunkt klassische deutsche Küche ist die Wasserburg noch jung. 1962 hatte Andreas Grohe, damals Betreiber der Stadtschänke und der Milchbar in Twistringen, die Harpstedter Wassermühle samt Grundstück am Ufer der Delme gekauft. Bis dahin hatte sich dort keine Gastronomie befunden. Grohe ersetzte einen Schuppen durch einen eingeschossigen Gaststätten-Neubau, richtete, dem damaligen Zeitgeist entsprechend, ein „Jägerzimmer“ und einen „Festraum“ ein. 1972 wurde Eröffnung gefeiert.
1979/80 stockte der Gastronom den Neubau auf und schuf damit Platz für zwölf Hotelzimmer. Die alte Fachwerk-Mühle wurde jetzt zum Restaurant. Dessen Name war (natürlich) gesetzt: „Die Mühle“. 1989 folgte die nächste Erweiterung: Hinter Hotel und Restaurant entstand das Gästehaus – mit weiteren 18 Hotelzimmern.
Zwischenzeitlich hatte die nächste Generation Verantwortung übernommen: Karl-Heinz und Rosemarie Grohe gaben jetzt die Richtung vor. Seit 2009 leitet deren Sohn Michael den Betrieb, unterstützt von seiner Ehefrau Melanie und seinen Eltern.
Nach Harpstedt zurück
Der heute 49-Jährige ist gelernter Koch. Das Jagdhaus Eiden (Bad Zwischenahn) zählte zu seinen Ausbildungsstationen, als Jungkoch war er in Süddeutschland und Luzern (Schweiz) tätig. 1999 stieg er in den elterlichen Betrieb ein.
„Wir versuchen, Gerichte anzubieten, die man nicht überall bekommt“, beschreibt Grohe eines der Ziele des Hauses. Ein zweites Ziel: Nachhaltig erzeugte, regionale Produkte sollen verwendet werden. Was das heißt, lässt sich zum Beispiel am wechselnden Plan für den Niedersachsen-Teller erkennen: Mal wird das „Duett von der Diepholzer Moorschnucke“ serviert (Haxe und Bratwurst), mal Nackensteak vom Bunten Bentheimer, mal Fisch von der Küste.
Den Gedanken hinter dem Sich-Spezialisieren auf regionale Produkte beschreibt Grohe so: „Wir müssen auch an die nächsten Generationen denken, dürfen nicht Raubbau an der Umwelt und an den Ressourcen betreiben.“ Deshalb sei die Speisekarte der Wasserburg „deutsch-lastig“ – ohne Wein aus Südafrika, der vielleicht CO
Schon vor mehreren Jahren, als in der Samtgemeinde Harpstedt ein Standort für eine E-Bike-Ladestation gesucht wurde, hatte Michael Grohe sein Grundstück dafür angeboten. Seit 2017 gibt es obendrein eine Ladestation für E-Autos. „Eine spannende Geschichte“ sei das, findet Grohe. Mittlerweile „haben wir viele Gäste, die mit einem E-Fahrzeug ankommen“.
Manche Gäste kommen, um Bilder zu betrachten. Denn: Seit 2007 ist die Wasserburg quasi „Galerie“. Auch hier liegt der Fokus auf der Region: Die ausstellenden Künstler und Kunsthandwerker kommen aus Harpstedt oder der Umgebung.
Idee auf Koems geboren
Die Idee zu den Kunstausstellungen – aktuell findet die 69. statt – sei bei einer Gewerbeschau auf dem Koems-Gelände geboren worden, erinnert sich Grohe. Damals hätten ihm Harpstedter Künstler berichtet, dass sie im Flecken keine Möglichkeit hätten, Bilder angemessen zu präsentieren. Mittlerweile hat sich das Angebot des Betriebes herumgesprochen: „Für 2019 haben wir nur noch zwei freie Termine.“
Als Gastronom sei er heute auf vielen Feldern gefragt, sagt der 49-Jährige. „Ich bin in der Küche, in der Rezeption, im Service“, und angesichts steigender bürokratischer Anforderungen auch zunehmend in der Verwaltung tätig.
Andererseits: Der Beruf sei „vielfältig, nie eintönig“. Das liege auch daran, dass es „den treuen Kunden“, der jeden Tag kommt und „sein“ Gericht wünscht, kaum mehr gebe: „Die Leute essen heute beim Fünf-Sterne-Koch und entscheiden sich morgen vielleicht für die Frittenbude.“Akzent-Hotel/Restaurant „Zur Wasserburg“, Amtsfreiheit 4, 27243 Harpstedt,
