HARPSTEDT - Unscheinbar ist der Sitz einer überaus erfolgreichen Firma in dem Bürogebäude am Junkernkamp in Harpstedt. Zwei schlichte Räume dienen als Schaltzentrale für ein Unternehmen, an dem über 100 Arbeitsplätze hängen. In einem Büro arbeitet Chefin Birgit Beisner, nebenan die kaufmännische Angestellte Sandra Ehlers. Mit der Auszeichnung „Oldenburger Gründerpreis 2007“ machte das Unternehmen „Wash & Rent GmbH“ vor zwei Wochen von sich reden (die NWZ berichtete). Es überzeugte die Jury mit seinem logistischen Konzept für die Vermietung und Wiederaufbereitung von Antithrombosestrümpfen für mittlerweile 135 Krankenhäuser.

„Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl, dass wir den Preis bekommen“, verrät Geschäftsführerin Birgit Beisner. Die innovative Geschäftsidee zu Wash & Rent hatte ihr Mann Welf, der bei einer Firma angestellt ist, die Antithrombosestrümpfe herstellt. Aufgrund des enormen Kostendrucks im Gesundheitswesen, dem gestiegenen Umweltbewusstsein sowie der Novellierung des Medizinproduktgesetzes 2002 wurde aus dem einstigen Wegwerfartikel ein Medizinprodukt, das höchsten Qualitäts- und Hygieneansprüchen entsprechen muss. „Dadurch entstand die in Deutschland bis dahin einmalige Idee, die Strümpfe an Krankenhäuser zu vermieten und wieder aufbereiten zu lassen“, erzählt Birgit Beisner. 2004 sei die Firma als Limited gegründet und zwei Jahre später in eine GmbH umgewandelt worden. Mittlerweile macht sie einen Jahresumsatz in sechsstelliger Höhe.

Der Nutzen für die Kunden, die Strümpfe zu mieten, liegt darin, dass Wash & Rent die „Socken“, wie sie im Firmenjargon genannt werden, je nach Bedarf bereit stellt, die schmutzigen abholt, fachgerecht waschen lässt und wieder ins Krankenhaus zurückbringt. „Jede Socke hat einen eigenen Code, so dass sie bis zum Patienten zurückverfolgt werden kann“, erklärt Beisner. Nach etwa zehn Wäschen werde sie aussortiert. „Wir arbeiten auf einem ziemlich hohen Niveau, gerade was die Hygiene anbelangt“, sagt Birgit Beisner, die 20 Jahre lang als Versicherungskauffrau tätig war, bevor sie ein betriebswirtschaftliches Studium dranhängte und sich selbstständig machte.

Gewaschen werden die Strümpfe bei den Elbe-Weser-Werkstätten für behinderte Menschen in Bremerhaven. „Durch uns sind dort 90 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen worden“, so Beisner stolz. Außer der Vollzeit-Bürokraft und einer Teilzeitangestellten arbeiten für Wash & Rent noch ein Außendienstmitarbeiter, drei Fahrer und vier Servicekräfte allein für das Universitätsklinikum München, dem südlichsten Punkt in der Kundenroute.

„Im Jahr bereiten wir 650 000 Paar Strümpfe auf“, so Beisner. Die meisten Kunden seien in Nordrhein-Westfalen ansässig. „Ausgerechnet im Raum Oldenburg haben wir einen weißen Fleck. Unser nächster Kunde liegt in Friesoythe“, so die zielstrebige Nordwohlderin, die sich in ihrer knappen Freizeit gerne für das Kinderhospiz Löwenherz engagiert. Geschäftlich hat sich die 50-Jährige noch viel vorgenommen: „Es gibt in Deutschland 1650 Krankenhäuser, die für uns interessant wären. Da gibt es noch viel zu tun.“