HASELüNNE - Die traditionsreiche Schnapsbrennerei Berentzen in Haselünne (Emsland) wird zu großen Teilen vom Finanzinvestor Aurelius (München) übernommen. Aurelius teilte am Dienstag mit, sich mit den Eignerfamilien auf die Übernahme von 75,1 Prozent der 4,8 Millionen Stammaktien der Berentzen-Gruppe AG geeinigt zu haben.

Aurelius-Vorstandschef Dirk Markus kündigte an, das Markenkonzept von Berentzen fortführen und 2009 die schwarzen Zahlen erreichen zu wollen. Berentzen erwirtschaftete 2007 mit rund 700 Mitarbeitern einen Fehlbetrag von 11,8 Millionen Euro.

4,8 Millionen stimmrechtslose Vorzugsaktien von Berentzen befinden sich weiterhin in Streubesitz und sind im Gegensatz zu den Stammaktien börsennotiert. Aurelius kündigte an, für diese Berentzen-Aktien ein öffentliches Übernahmeangebot unterbreiten zu wollen. Dieses werde auf 2,68 Euro lauten und entspreche damit dem gewichteten Kurs der vergangenen 90 Tage. Der Ausgabepreis beim Börsengang 1994 lag bei 345 DM. Über den Kaufpreis der Stammaktien wurde Stillschweigen vereinbart.

Eine Übernahme der verbleibenden 24,9 Prozent der Stammaktien sei nicht beabsichtigt, sagte Markus. Sie befänden sich in den Händen von 20 Aktionären, darunter die Stämme der Gründerfamilie um Jan Bernd, Christian und dessen Vater Friedrich Berentzen. Die Aktionäre aus dem Kreis der Familien Pabst und Richarz hätten ihre Aktien komplett verkauft. Um den Verkauf der Berentzen-Anteile hatte es in den vergangenen Tagen erhebliche Differenzen innerhalb der Eignerfamilien gegeben. Der Firmensitz Haselünne werde erhalten bleiben, sagte Markus. Er schloss aber nicht aus, dass einzelne Marken oder die Sparte der alkoholfreien Getränke („Vivaris“) abgestoßen werden könnten. Die Zukunft von Vorstandschef Axel Dahm sei noch offen.